Rechte Agenda unter dem Mantel „historischer Korrektheit“? – Mein Beitrag zur Debatte um weibliche Generäle in Total War: Rome II.

Ich muss zugeben, dass ich bisher relativ erleichtert war, um die Authentizitätsdebatte in Videospielen „herum gekommen“ zu sein. Die großen Aufreger wie Kingdom Come: Deliverance oder Battlefield I/5 haben bei mir als großem Freund von Strategiespielen noch nicht den Weg auf die Festplatte gefunden. Dass sich dies jetzt durch ein vergleichsweise kleines Update zu Total War: Rome II ändern sollte, hätte ich so auch nicht gedacht. Tatsächlich war ich überrascht, als ich auf verschiedenen Websites Artikel mit der Überschrift entdeckte, dass Rome II zahlreiche „Review-Bombings“ erhalten hätte. Auf deutsch: negative Bewertungen. Davon verwundert wollte ich natürlich wissen, warum ein Update für ein Spiel, welches bereits vor 5 Jahren erschienen ist, die Gemüter so erhitzt. In gewisser Weise hätte ich mir die Antwort wohl lieber erspart: Ähnlich wie bei Battlefield stellten Frauen das „Problem“ dar (eigentlich unfassbar, dass man so etwas im 21. Jahrhundert noch schreiben muss). Kurz zusammengefasst vermuteten Spieler nämlich, dass über das oben erwähnte Update die Spawnrate von weiblichen Generälen stark erhöht und auf bis zu 50% gesetzt wurde. Auch wenn dies relativ schnell in einem Pressestatement (!) von Entwickler Creative Assembly widerlegt wurde, hielt das einen Großteil an „Spielern“ nicht davon ab, sich über dieses neue Feature zu empören. Damit werde eine politische Agenda betrieben, Rome II werde für den Feminismus missbraucht etc. Steam-Kommentare wie „Rome SJW Edition“ oder „I play a game to escape from radical political agenda’s, not embrace them.“ nehme ich hier mal als repräsentative Beispiele. Zahlreiche solcher unappetitlicher Gedanken fand man unter Artikeln und Videos zu diesem Thema. 

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Sorgen für gute Laune am AfD-Stammtisch: Solche und ähnliche Kommentare findet man haufenweise unter Videos zum Rome II-DLC „The Daughters of Mars“. Diese Beispiele stammen von einem Review-Video des Kanals RepublicOfPlay.

Dass diese Kommentare an sich schon problematisch genug sind, sollte klar sein. Doch sowohl hier, als auch bei den anderen erwähnten Spielen kommt hinzu, dass diese frauenfeindliche Agenda unter dem Deckmantel der „historischen Authentizität“ betrieben wird: Die Entwickler würden nicht aufgrund des eigenen (eingeschränkten) Weltbildes kritisiert werden, sondern weil sie durch weibliche Generäle das „authentische Bild“ des Spiels zerstören würden. Was nach dem typischen Gedankengang eines Hobby-Historikers der YouTube-Universität klingt, findet bei einem Großteil der entsprechenden denkenden Masse leider auch regen Anklang, weshalb ich mit dem folgenden Blogartikel einen Beitrag dazu leisten möchte, sich gegen diese rechten Internettrolle zu stellen. Denn Rome II ist ein wunderbares Spiel und sicherlich nicht dazu geeignet, überholte Rollenbilder zu transportieren.

Und täglich grüßt die Authentizitätsdebatte

In gewisser Weise muss man als Historiker fast schon dankbar über die Debatte sein, welche Kingdom Come: Deliverance Ende des letzten Jahres ausgelöst hat. Der aggressiv vorgetragene Anspruch der „historischen Korrektheit“ sorgte nicht nur unter Spielern, sondern auch unter Historikern für rege Debatten über das Leben im Mittelalter. Zahlreiche Magazine ließen Historiker das im Spiel dargestellte Bild „untersuchen“, um das Thema möglichst genau angehen zu können. Dabei basierten viele Debatten jedoch auf der einfachen Vorstellung, dass Geschichte ein statischer Wert sei, den man wie in den Naturwissenschaften auf seine „Authentizität“ prüfen könne. Der Historiker sei durch seinen Beruf dabei die Person, welche die im Spiel dargestellte Welt mit der „echten Geschichte“ am besten vergleiche. Aspekte wie Quellenkritik, zeitgenössische Einflüsse oder Multiperspektivität spielten dabei jedoch kaum eine Rolle. Das Bild der „vollkommenen“ Geschichte schwebte wie ein böser Geist über der ganzen Debatte und sollte schließlich dafür sorgen, dass auch kommende Spieler „Opfer“ davon wurden. So geschah es dann schließlich auch in diesem Jahr, als für Battlefield 5 weibliche Soldaten angekündigt wurden. Zwar hatte es dieselbe Debatte bereits im letzten Jahr zu Battlefield 1 gegeben, aber hier schien die Debatte als verlängerter Arm der Kingdom Come: Deliverance-Diskussion zu dienen, allerdings mit vertauschten Rollen: Denn hier kam die Kritik von Seiten der „Community“, die das Spiel nicht verteidigen, sondern bewusst diskreditieren wollten. Grundlage der Beschwerden war dabei, dass der im zweiten Weltkrieg angesiedelte Shooter „unauthentisch“ sei, da Frauen auf dem Schlachtfeld zeige. Auch hier wird „historische Authentizität“ wieder als ablesbarer Wert dargestellt, der sich in „weiblichen Soldatinnen“ misst. Andere Aspekte wie z.B. das sofortige Reanimieren direkt auf dem Schlachtfeld werden dagegen gekonnt ignoriert, da sie scheinbar keine Rolle für die Frage nach der Authentizität spielen. Jedenfalls für das „eigene“ Geschichtsbild.

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Sorgten bereits bei Battlefield 1 für eine hitzige Debatte: Weibliche Soldaten im ersten Weltkrieg.

Gerade dieser individuelle Aspekt spielt dabei eine relativ große Rolle. Im Endeffekt hat jeder Mensch seine eigenen Vorstellungen von Geschichte, die er im Laufe seines Lebens irgendwie erworben hat. Dies ist meistens jedoch nicht (nur) der Geschichtsunterricht oder die wissenschaftliche Literatur, sondern viel mehr das, „was Spass macht“: Comics, Filme, Bücher oder eben auch Videospiele (Für viele gehört der Geschichtsunterricht hoffentlich auch in diese Aufzählung!). Dabei geschieht der Konsum oft kritiklos und das dort aufgenommene Bild wird nicht hinterfragt, sondern in das eigene Geschichtsbild integriert. Wer Asterix-Comics gelesen hat, wird das Jahr 50 v.Chr. immer mit römischer Herrschaft über ganz… fast ganz Gallien verbinden. Wer Age of Empires II gespielt hat, wird Perser, Briten und Mongolen immer als „mittelalterliche Völker“ zuordnen. Dabei fokussieren sich all diese Medien immer wieder auf Stereotype, die durch immer weitere Darstellungen zu „fest zugehörigen“ Elementen für den jeweiligen historischen Gegenstand werden: Wie bei einer Checkliste werden dann im Kopf des Rezipienten bestimmte Häkchen überprüft, ob er das ihm dargebotene Bild als „historisch authentisch“ wahrnimmt. Das bezieht sich jedoch nicht nur auf Sachen, die wiederholt dargestellt werden, sondern auch auf Sachen, die wiederholt NICHT dargestellt werden. Und genau hier setzt das Problem bei der Rome II-Diskussion an, wenn es die Vorstellung historischer Bilder mit einer eigenen politischen Agenda verknüpft.

Rechte Weltbilder im antiken Gewand

„Frauen gehören in der Antike nicht auf ein Schlachtfeld. Denn die Antike ist geprägt von großen Feldherrn und großen Staatsmännern.“ So in etwa könnte der Gedankengang eines oben genannten „Review-Bombers“ sein, wenn er sich über weibliche Generäle in Rome II aufregt. Guckt man sich erstmal an, woher dieses Bild stammen könnte, so wird man in bereits erwähnten Medien schnell fündig: In Asterix und Obelix sind es fast ausnahmslos männliche Legionäre und Zenturionen, die den Galliern Ärger bereiten. In Age of Empires kämpfen ebenfalls fast nur männliche Einheiten, lediglich die Dorfbewohner sind quotiert: Frauen sammeln Rohstoffe, damit Männer Krieg führen können. Auch Filme wie Gladiator oder Troja zeichnen sehr klischeehafte antike Charakterbilder, in welchen Kampf und Krieg fast immer eine männliche Sache ist.

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Bis aufs Blut: Der Höhepunkt des Films „Gladiator“ ist das Duell zwischen Maximus (Russell Crowe) und Commodus (Joaquin Phoenix) im Kolosseum.

Das Fehlen von Frauen lässt in der Konsequenz ein Geschichtsbild entstehen, in welchem kämpfende oder Armeen anführende Frauen aus „unauthentisch“ wahrgenommen werden. Jetzt kann man sich dann die Frage stellen: Sind die oben vorgebrachten Vorwürfe also in gewisser Weise nicht auch korrekt? Die klare Antwort lautet hier „Nein“, denn die „historische Authentizität“ wird hier aus anderen Medien abgeleitet und nicht aus der historischen Forschung. Anstatt aber zu hinterfragen, warum Rome II nun versucht (bzw. versucht hat), etwas an diesem Bild zu ändern, wird den Machern vorgeworfen, an der „unveränderlichen historischen Wahrheit“ zu rütteln. Dass diese Wahrheit jedoch aus anderen Medien kommt, die man selbst erstmal kritisch hinterfragen könnte, kommt solchen Leuten dabei nicht in den Kopf. Das Zitat, dass „Der Horizont vieler Menschen ist ein Kreis mit Radius Null“ sei, passt hier wie die Faust aufs Auge. Diejenigen, die sich hier über weibliche Generäle aufregen, wollen bewusst nichts an ihrem historischen Bild über Frauen ändern, da das aus anderen Medien aufgenommen Bild wohl mehr zählt, als der Blick in ein Geschichtsbuch.

Wirklich problematisch wird das ganze dann, wenn zu der historischen auch noch eine ideologisch-politische Dimension dazu kommt, die Emanzipation und Gleichberechtigung konsequent ablehnt, weil es nicht der eigenen Überzeugung entspricht. Gerade die Antike ist dabei immer für rechte Ideologien interessant gewesen: Schon im Nationalsozialismus waren die Ideologie des Kaiserreiches oder der erfolgreiche Widerstandskampf der arischen Germanen gern genutzte Themen (Mehr zu diesem Thema gibt es hier in einem lesenswerten Artikel von Kristin Oswald). Auch in der heutigen rechten Szene sind antike Motive sehr beliebt, was sich unter anderem an dem Symbol der Identitäten Bewegung zeigt: der griechische Buchstabe Lambda auf schwarzem Grund. Eine direkte Anspielung auf den Film 300, aus welchem sich der ideologische Gedanke dahinter offenbart: Wie die (männlichen!) Griechen vor gut 2500 Jahren kämpft man gegen den „Eindringling aus dem Orient“. Auch hier zeigt sich wieder, dass ein Spielfilm alleine nicht wirklich als historische Grundlagenbildung genutzt werden kann.

Ein weiterer Bestandteil rechter Ideologie ist dann ebenfalls die Rolle der Frau als „schwaches Geschlecht“, die vom Mann beschützt werden müsse. Sie kümmert sich zuhause um Herd und Familie, während der Mann an der Front kämpft. Damit einher geht die oben erwähnte generelle Ablehnung des Feminismus, da sie versucht, dieses Rollenbild aufzuheben. Alles nicht in das Weltbild passende wird dabei abgelehnt und selbst ein relativ kleiner Prozentsatz an weiblichen Generälen von einigen Völkern wird als „feministisches Gedankengut“ angesehen, welchem es entgegenzutreten gilt. Das hat sich bei Battlefield gezeigt, das zeigt sich gerade bei Rome II und es ist zu befürchten, dass es auch in Zukunft weitere solcher „Diskussionen“ geben wird.

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Leonidas würde sich im Grab umdrehen: Aktivisten der rechtsextremen „Identitären Bewegung“ präsentieren ihr ganz eigenes Bild der „Verteidigung Europas“.

Fazit

Die Debatte um „historische Authentizität“ von weiblichen Generälen in Rome II ist nicht mehr als eine Scheindiskussion, in welchem es den Agitatoren nicht etwa um historische Forschungsergebnisse geht, sondern um das Verteidigen des eigenen Geschichtsbildes und der eigenen politischen Überzeugung. Das Bild einer Frau, die ein Heer von Soldaten anführt, passt dabei weder in das ideologische, noch in das historische Bild der jeweiligen Personen. Es zeigt sich nämlich, dass nicht das Geschichtsbuch, sondern das unreflektierte Aufnehmen anderer Medien Ursprung der Vorstellung tapferer männlicher Heeresführer ist. Dieses Bild wird dazu oftmals mit der eigenen politischen Vorstellung verknüpft, um so von der Vergangenheit bis zur Gegenwart Rollenmuster von starken Männern, die schwache Frauen beschützen müssen, zu konstruieren. Frei nach dem Motto: Die Antike ist so, wie ich sie mir gerne vorstellen würde!

Da solche politische Debatten sich immer mehr ins Internet (und damit auch zu Videospielen) verlagern, gilt es umso mehr, sich diesen auch in dem jeweiligen Bereich entgegenzustellen. In diesem konkreten Fall hat Creative Assembly ganz klar gesagt, dass sie nichts an den aktuellen Inhalten im Spiel ändern werden. In dieselbe Kerbe schlug EA-Chief Creative Officer Patrick Söderlund, als er Spielern, die mit weiblichen Soldaten Probleme hätten, entgegnete: „Akzeptiert es oder kauft das Spiel halt nicht. Ich kann mit beidem leben.“ Selbiges hätte man sich auch gerne von den Entwicklern von Kingdom Come: Deliverance gewünscht, aber da verweise ich an dieser Stelle lieber auf den sehr lesenswerten Artikel von lepetitcapo, wo er auf das Problem der Verknüpfung zwischen dem im Spiel dargestellten Geschichtsbild und der politischer Einstellung des Entwicklers eingeht. Nur durch solche Artikel und klaren Aussagen ist es möglich, die schwierige Debatte um historische Authentizität nicht in die Hände rechter Internettrolle gelangen zu lassen. Denn da hört sie genauso wenig hin, wie Alexander Gauland auf den Posten eines Gleichstellungsbeauftragen.

P.S.: Einen sehr gelungenen Artikel speziell zu diesem Thema findet ihr hier auf Johannes Alvarez‘ Blog https://crossmediaculture.de/.

 

 

 

 

 

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9 Gedanken zu “Rechte Agenda unter dem Mantel „historischer Korrektheit“? – Mein Beitrag zur Debatte um weibliche Generäle in Total War: Rome II.

  1. „Guckt man sich erstmal an, woher dieses Bild stammen könnte, so wird man in bereits erwähnten Medien schnell fündig: In Asterix und Obelix sind es fast ausnahmslos männliche Legionäre und Zenturionen, die den Galliern Ärger bereiten.“

    Was daran liegen könnte, dass es keine weiblichen Legionäre und Zenturionen gab. Falls Sie anderer Meinung sind, wäre es schön, wenn Sie dies belegen würden, ich lasse mich da gerne eines Besseren belehren. Ich habe kein Problem, wenn bspw. britische Völker auch mal eine weibliche Führerin haben (Stichwort Boudicca), in der römischen Armee passt das aber einfach nicht. Und ja, sowas stört mein Spielerlebnis und dafür muss ich mir nicht unterstellen lassen, dass ich ein Frauenhasser von rechtsaußen sei.

    „Wer Age of Empires II gespielt hat, wird Perser, Briten und Mongolen immer als „mittelalterliche Völker“ zuordnen.“

    Mit Verlaub, das ist schlicht Humbug und eine von mehreren Unterstellungen, die dann im Fazit in dieser Aussage gipfeln:

    „Das Bild einer Frau, die ein Heer von Soldaten anführt, passt dabei weder in das ideologische, noch in das historische Bild der jeweiligen Personen.“

    Sie können sich natürlich nun auf die Verteidigungslinie zurückziehen, dass Sie damit nur „die Agitatoren“ meinten, womit Sie fein aus dem Schneider sind, gibt es so doch immer die Option zu sagen: Die oder jene Person habe ich aber doch gar nicht ansprechen wollen. Aber dafür ist Ihr Text in Sachen Adressaten bewusst viel zu offen gehalten worden.

    Bitte nicht falsch verstehen, ich bin nicht blind und sehe auch das hier angesprochene grundlegende Problem, also dass das Argument „historische Authentizität“ gerne als Tarnung für rechte Ideologien genutzt wird… aber eben längst nicht von jeden. Genau das unterstellen Sie aber mit Sätzen wie:

    „Diejenigen, die sich hier über weibliche Generäle aufregen, wollen bewusst nichts an ihrem historischen Bild über Frauen ändern, da das aus anderen Medien aufgenommen Bild wohl mehr zählt, als der Blick in ein Geschichtsbuch.“

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    1. Vielen Dank für die sachliche Kritik! Zu den einzelnen Punkten:

      „Was daran liegen könnte, dass es keine weiblichen Legionäre und Zenturionen gab. Falls Sie anderer Meinung sind, wäre es schön, wenn Sie dies belegen würden, ich lasse mich da gerne eines Besseren belehren. Ich habe kein Problem, wenn bspw. britische Völker auch mal eine weibliche Führerin haben (Stichwort Boudicca), in der römischen Armee passt das aber einfach nicht.“

      Es ging mir an dieser Stelle nicht darum, dass es auch weibliche Legionäre oder Zenturionen geben soll. Sondern nur darum, dass Asterix als Beispiel herangezogen werden kann, um die „männliche, kriegerische Antike“ darzutsellen. Unabhängig davon, wie „authentisch“ das jetzt ist. Die Stelle „fast ausnahmslos männliche“ bezieht sich dabei auf den Asterix-Comic „Asterix und Maestria“, in welchem eine lediglich aus weiblichen Soldaten bestehende Legion das gallische Dorf erobern soll. Das würde die erwähnte Ausnahme darstellen.

      EDIT: Zumal es eben gerade darum geht, dass es Fake News waren, dass nun auch Römer weibliche Generäle bekommen können. Dort beträgt die Rate nach wie vor 0%.

      „Mit Verlaub, das ist schlicht Humbug und eine von mehreren Unterstellungen, die dann im Fazit in dieser Aussage gipfeln: “

      Auch das ist nicht als Unterstellung gemeint, sondern nur ein Beispiel, wie ein Spiel das eigene Geschichtsbild beeinflussen kann. Wer sich bspw. nicht groß für Geschichte interessiert, dafür aber Age of Empires II gespielt hat, wird auf die Frage, welche „mittelalterlichen Völker“ er denn so kenne, sicherlich alles aufzählen, was er aus dem Spiel kennt. Denn er wird Age of Empires II im Mittelalter verorten und damit auch dessen Völker.

      „Und ja, sowas stört mein Spielerlebnis und dafür muss ich mir nicht unterstellen lassen, dass ich ein Frauenhasser von rechtsaußen sei.“

      Ich möchte an dieser Stelle hervorheben, dass es mir wichtig ist, dass die Debatte um historische Authentizität nicht in die Hände rechter Internettrolle fällt. Damit ist nicht gemeint, dass jegliche Debatte/Kritik an historischen Darstellungen im Spiel unterbunden werden soll. Die Frage ist hier, in welchem Ton diese Diskussion geführt wird. Und 90% der „kritischen“ Kommentare driften eben leider in die „Rome SJW Edition“-Richtung etc. ab. Zumal die „Review-Bombings“ auch in direkten Zusammenhang mit der Debatte um weibliche Generäle stehen. Aus meiner Sicht ist es deshalb notwendig, dieses Problem auch klar anzusprechen. Denn es gibt für mich einen Unterschied zwischen „Kritik äußern“ und „aufregen“. In meinem Artikel beziehe ich mich explizit auf die Leute, die letzteres tun. Sachliche Diskussionen sind immer gerne erwünscht.

      „Bitte nicht falsch verstehen, ich bin nicht blind und sehe auch das hier angesprochene grundlegende Problem, also dass das Argument „historische Authentizität“ gerne als Tarnung für rechte Ideologien genutzt wird…“

      Kein Problem, ich gebe ja zu, dass mein Artikel durchaus provokant geschrieben ist. Aber wie schon erwähnt ist das in diesem Fall auch angebracht, um ein klares Zeichen zu setzen. Denn die Häufigkeit, in welcher solche „Debatten“ innerhalb des letzten Jahres aufgetaucht sind, ist alarmierend.

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  2. Artemisia, Boudicca und ein paar makedonische Prinzessinnen bzw. Königinnen gab es da ja durchaus als militärische Führerinnen.

    Hitzig war auch die Diskussion, ob Achilles in dieser neuen Serie schwarz sein darf, ob ägyptische Götter weiß sein sollten etc.

    Solange die Diskussionen sachlich bleiben, wie Deine obige Antwort, sind sie ja gelegentlich durchaus gewinnbringend. Vor der Diskussion über Achilles war mir z.B. nie aufgefallen, als wie dunkelhäutig er von Homer beschrieben wird.

    Wichtig ist natürlich Dein Punkt, dass uns immer bewusst sein muss, dass wir über Rekonstruktionen der Vergangenheit sprechen und dass wir unser Vergangenheitsbild immer wieder reflektieren müssen.

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    1. Sehr schön gesagt. Gerade Artemisia (300, Teil 2) oder Boudicca (Civ 4) sind ja auch in anderen Medien immer wieder aufgetaucht. Schaut man auf Civ 6 kann man auch Tomyris hier nennen. Nur ist das Rombild für fast alle Darstellungen der Antike fast immer am prägendsten, deshalb fallen sie wohl immer aus dem Fokus.

      Die Debatte um Achilles klingt interessant. Hast du da einen guten Artikel zu? Bei der Google-Suche komme ich immer auf irgendwelche rechten Seiten, die auch hier den Untergang des Abendlandes sehen. 😀

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  3. Ist Patrick Söderlund eigentlich ein gutes Beispiel dafür, wie die Kommunikation mit Spielern aussehen soll? Weil seine Aussagen scheinen, nur an die Trolle adressiert zu sein, und nicht an die Spieler, die einfach vom Design-Lösung nicht überzeugt waren. Meiner Meinung nach ist die Situation mit Total War einfach eine Folge derartiges Umgangs mit Thema Vielfalt.

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    1. Generell kann man glaube ich darüber streiten, aber ich fand diese konkrete Ansage von ihm für den aktuellen Kontext sehr passend. Die Spieler, die sachlich über das Thema diskutieren können, fühlen sich von dieser Aussage glaube ich auch nicht betroffen. Söderlund richtet seine Aussage ja auch bewusst an Leute, die den Einsatz von weibliche Soldaten nicht verstehen wollen.

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