Thesencheck I: Anno 1404 – Ein säkularisiertes Mittelalter?

dre erste Advent ist geschafft und als Vorgeschmack auf die Weihnachtszeit gibt es heute den Start einer neuen Serie: Thesencheck! Geschichte lebt von der Diskussion und unterschiedlichen Meinungen. Oft streiten Historiker jahrelang über bestimmte Themen, bevor es einen generellen Konsens gibt, teilweise gibt es sogar mehrere Ansichten zu einem historischen Ereignis. Die Forschung über historische Bilder in Videospielen ist noch relativ jung und es wird noch ein paar Jahre dauern (und ein paar talentierte Nachwuchs-Historiker 😉 ), bevor es hier zu größeren Debatten kommt. Mit dieser neuen Kategorie möchte einen kleinen Teil dazu beitragen, dass man über verschiedene Meinungen diskutiert und so einen tieferen Zugang zur Darstellung von historischen Elementen in Videospielen erreicht. Ich werde euch eine Meinung zu einem bestimmten Thema kurz vorstellen und diese anhand des Spiels einmal überprüfen. Und wenn ihr Lust habt: Schreibt eure eigene Meinung zu dieser These, sodass es noch mehr Diskussionen gibt! Gerne auch über meine These, sodass wir eine These zur These über eine These bekommen. Thesception? Bevor es zu weiteren Wortspielen kommt, kann es nun losgehen. Auf zu neuen Ufern!

Anno 1404 – Ein säkularisiertes Mittelalter?

Den Start macht eine interessante These zu Anno 1404:

Ob man nun in Anno 1404 eine Moschee oder eine Kirche errichtet […], wird somit bedeutungslos und die Entscheidung für Islam und Christentum bekommt die gleiche Qualität wie die Wahl zwischen zwei Sportmannschaften, die sich lediglich durch ihre Vereinsfarben unterscheiden.

Mit diesem Zitat aus seinem Buch „Mittelalter Computerspiele“ kommt der Historiker Carl Heinze zu der heutigen Schlussfolgerung, welcher wir uns in diesem Blogbeitrag widmen wollen: Die Religion in Anno 1404 bringe ein Mittelalter zum Ausdruck, in welchem die Religion ihrer tatsächlichen Bedeutung nicht nachkäme. Deshalb auch die Bezeichnung von säkularisierten Mittelalter, in welchem die Religion nur eine Nebenrolle spielt. Heinze hat diese Meinung 2012 in seiner Monografie Mittelalter Computerspiele (Siehe Literaturverzeichnis!) formuliert und gerade der oben zitierte Satz zeigt doch ein sehr negatives Bild von der Religion in Anno 1404. Für die meisten Spieler mag es erstmal verwunderlich wirken, denn Religion stellt eigentlich eines der thematischen Kernelemente im Spiel dar. Orient und Okzident definieren sich im Spiel auch durch ihre jeweilige Religion, dem Christentum oder dem Islam. Und jetzt wird dieses Element mit der Wahl des Lieblingsvereins gleichgesetzt? Oder ist am Ende doch etwas an dieser These dran und auch wenn es witzig formuliert ist, ist die Religion nur ein unbedeutender Bestandteil des Spiels?Liegt die Antwort möglicherweise irgendwo dazwischen? Diesen Fragen wollen wir nun nachgehen, wie immer gilt: Viel Spass beim Lesen!

Menschen, Kirchen und Moscheen

Bevor es ans Eingemachte geht, wollen wir erstmal die Fakten heraussuchen. Das ist ein einer Zeit, wo das Wort „postfaktisch“ durch den Wahlkampf in den USA, populär wurde, auch nicht verkehrt. Insgesamt gibt es 3 „christliche“ und 2 „islamische“ Glaubensgebäude: Kapelle, Kirche und Kaiserdom für den Okzident, Moschee und Sultansmoschee für den Orient. Dabei ist die Kapelle das günstigste Gebäude, während sich Kirche und Moschee, sowie Kaiserdom und Sultansmoschee wenig von den Baukosten nehmen.

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Viel Platz zum Beten: Eine Kirche in Anno 1404

Bei den Ziergebäuden gibt es dann noch eine Anzahl weiterer religiöser Gebäude, aufgrund der rein optischen Bedeutung dieser für das Spiel werde ich auf diese aber nicht weiter eingehen. Hier ist auch schon das Ende an religiösen Gebäuden erreicht, mehr gibt es nicht. Was es aber noch gibt, und worauf Heinze so gut wie gar nicht eingeht, sind die Computerspieler. Auf Seiten der KI gibt es zahlreiche Charaktere, welche religiös geprägt sind und dies gilt größtenteils für den Okzident. Hildegard von Lewenstein ist eine einfache Äbtissin und erinnert an eine mittelalterliche Mutter Teresa: pazifistisch eingestellt meidet sie Konflikte, hilft den Armen, wo es nur geht, pflegt Kranke und hat als höchstes Ziel, ihre Siedlung für ihren Konvent auszubauen. Anders sieht es bei Marie d’Artois aus: sie stellt ebenfalls eine gläubige Christin dar, ohne dabei pazifistisch zu sein. Wo Hildegard friedlich versucht, Konflikte zu lösen, wird Marie schnell übermütig und droht mit militärischen Auseinandersetzungen. Damit erinnert sie ein wenig an das Bild der mittelalterlichen Kreuzfahrer, was Anno 1404 durch die Orient-Okzident-Thematik bewusst erreichen möchte. Wenngleich das Bild eines weiblichen Kreuzfahrers weniger der Geschichte, sondern mehr der modernen Gleichberechtigung entspricht. Abschließend gibt es noch Kardinal Lucius, ein Hardliner, wie es im US-Wahlkampf immer gerne heißt. Seiner Ansicht nach ist das Christentum die einzig wahre Religion und deshalb muss der Islam durch Kreuzzüge zurückgedrängt werden. Im Spiel ist er höchst aggressiv und ein genaues Gegenbild der christlichen Werte, wie man sie eigentlich im Kopf hat.

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Der nächste Papst? Kardinal Lucius in Anno 1404

Dazu besitzt er noch eine gehörige Portion Abneigung gegenüber dem Orient, Bamherzugkeit ist für ihn ein Fremdwort. Kurzum: Lucius spiegelt genau das Bild wieder, welches man von einem schlechten Kirchenführer im Mittelalter hatte. Er nutzt die Kirche nur zu seinen eigenen Gunsten aus. Alle weiteren Computerspieler haben teilweise auch einen kleinen Bezug zur Religion, definieren sich jedoch eher aus anderen Quellen heraus. Dies äußert sich dann in kurzen Sätzen wie „Mit Gottes Hilfe wird dieser Bauabschnitt bald vollendet sein (Northburg)“ oder einem „Bei Allah (Al Zahir). Insgesamt gibt es also zwei große Aspekte, in welchen Religion eine Rolle spielt: Die Gebäude und die KI-Charaktere. Auf beiden werfen wir nun einen Blick, um der Frage nach einem säkularisierten Mittelalter nachzugehen.

FC Kirche 04 oder Borussia Moschee?

In Anlehnung an das Ausgangszitat wollen wir uns nun die Frage stellen, wie beliebig die Wahl zwischen Christentum und Islam wirklich ist. Heinze beschreibt es so, als wenn die Bewohner nach Lust und Laune entscheiden könnten, in welches religiöse Gebäude seien gehen möchten. Aber fangen wir beim Thema Fußball an: einige Fans mögen es mir verzeihen, aber die Wahl ist doch relativ beliebig. Meistens wird man Fan des Vereins, den man zuerst im Fernsehen verfolgt oder wo man von Verwandten oder Bekannten zum ersten Mal hin mitgenommen wird. Natürlich möchte ich nicht leugnen, dass es auch andere Unterschiede als die Trikotfarbe gibt, aber am Ende bleibt es doch eine eigene „Wahl“, von welchem Verein man Fan sein möchte. Auf Anno 1404 bezogen müsste dies bedeuten, dass es den Bewohnern in der Anno-Welt relativ egal ist, welches Glaubensgebäude sie in ihrer Stadt haben. Egal ob Kirche oder Moschee, beide bringen ja Glauben für die Bevölkerung. Und damit hat er nicht ganz Unrecht, denn Glauben ist im Endeffekt nur ein einfacher Wert, welcher in der Bevölkerung erfüllt werden muss. Aber es gibt einen entscheidenden Unterschied: Glaube ist nicht gleich Glauben! Während es im Okzident das Christentum gibt, folgen die Anhänger im Orient dem Islam.

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Hier wird kein „Okzidentbewohner“ jemals beten: Eine Moschee

Ein Bürger des Okzidents wird also niemals den Fuß in eine Moschee setzen, um dort sein Bedürfnis nach Glauben zu befriedigen. Sicherlich merkt Heinze richtigerweise an, dass dies nicht gerade individuell wäre und historische sowie kulturelle Hintergründe beider Religionen wegfallen würden. Aber für das Spiel macht es schon einen Unterschied, welches der jewiligen Religionsgebäude man baut. Auch die Wertigkeit der Gebäude unterscheidet sich bei den Glaubensrichtungen: Eine Kapelle befriedigt nur den Glauben der Bauern und Bürger, Patriziert verlangen nach einer Kirche, um ihre „gestiegenen“ religiösen Bedürfnisse zu erfüllen. Kaiserdom und Sultansmoschee haben ebenfalls einen weiteren Effekt, ersetzen sie doch alle anderen öffentlichen Bedürfnisse. Damit gehen sie weit über die religiöse Bedeutung hinaus, was widerum eher merkwürdig ist. Denn wie stillt ein Kaiserdom das Bedürfnis nach Vergnügen? Oder wie ersetzt die Sultansmoschee ein Badehaus…?

Grundsätzlich ist Heinzes Feststellung, dass die Religion in Anno 1404 nicht als sittlich-normierende Instanz oder welterklärende Organisation auftritt und in ihrer Spielmechanik eher unbedeutend ist, richtig. Aber auf Gebäude bezogen ist sie kein einfacher Wert, der durch ein beliebiges Religionsgebäude erfüllt werden muss, sondern hebt sich von den anderen öffentlichen Bedürfnissen ab. Der Trikotfarben-Vergleich ist deshalb eher unpassend. Einen gewissen Säkularisierunggrad kann man der Religion in den Gebäuden aber nicht absprechen. Deshalb schauen wir uns nun einmal die KI-Charaktere an.

Moderne Klischeebilder, mittelalterlich verpackt

Was ich in der Kurzbeschreibung weiter oben schon angedeutet habe, möchte ich hier nun ein wenig ausführen: Die drei „religiösen“ Charaktere sind ziemlich überzeichnet, was ihren Bezug zur Religion (hier genauer: zum Christentum) betrifft. Hildegard von Lewenstein erinnert an ein Mitglied der im Mittelalter relativ populären Bettelorden. Im 13. Jhdt. Gründeten sich viele dieser Orden, die Dominikaner und Franziskaner sind hier wohl die bekanntesten Abteilungen, von letzterem hat der aktuelle Papst auch seinen Namen. Frauen in diesen Orden werden Ordensschwestern genannt und daran orientiert sich Hildegard von Lewenstein. Wichtige Grundsätze sind dabei der Verzicht auf persönlichen Besitz, der Gehorsam gegenüber des gewählten Ordens oder auch die Ehelosigkeit. All diese Elemente werden von Hildegard vertreten (ohne ihr zu nahe treten zu wollen! 😀 ). Sie betont gegenüber dem Spieler immer wieder, dass sie in Namen des Konvents handele, sich besonders für die Armen einsetze und dabei mit ihren Schwestern arbeite. Insofern vertritt sie im Spiel schon die von der christlichen Kirche oft propagierten Werte wie Nächstenliebe oder Fürsorglichkeit. Wie gesagt, Mutter Teresa dürfte hier als Vorbild gedient haben. Bei ihr ist aber ein klar aus religiösen Motiven entstandenes Handeln erkennbar, was eher gegen das Bild eines säkularisierten Mittelalters spricht.

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Mutter Teresas Vorfahre? Hildegard von Lewenstein

Marie d’Artois und Kardinal Lucius stehen Hildegard im religiösen Handeln in nichts nach. Doch hier eher im negativen, als im positiven Sinn. Während man Marie immerhin zu Gute halten kann, im Sinne ihrer Religion zu handeln, könnte Kardinal Lucius eher aus einer modernen Fernsehserie entstammen. Würde er den Titel Kardinal nicht tragen, würde man bei ihm wohl auch kaum den Bezug zur Religion erkennen. Boshaftigkeit, Hinterlistigkeit, eigenes Machtstreben: Für ihn ist das Christentum im Spiel nur ein Mittel zum Zweck. Dabei gibt es eigentlich genügend „Vorbilder“ für Lucius, denn viele Päpste (auch wenn Lucius diesen Titel nicht trägt, ist er als Kardinal im Spiel die höchste kirchliche Instanz) im Hoch-/Spätmittelalter nutzten die Kirche für ihre eigenen machtpolitischen Spielchen. Borgia-Papst Alexander VI. (um mal den Bezug zu einer Fernsehserie zu machen) steht hier stellvertretend als Negativbeispiel der kirchlichen Oberhäupter. Für ein Spiel bietet es sich nun an, wenn man einen Kirchenvertreter als Schurken braucht, sich dieser Vorbilder zu bedienen. Dies trifft auch auf den Kreuzzugsgedanken zu, welcher 1095 von Papst Urban II. ausgerufen wurde. Lucius plant in der Kampange nach dessen Vorbild ebenfalls einen Kreuzzug. Deshalb sind, bei aller Überzeichnung, auch bei Lucius historische Anspielungen erkennbar, die sich klar auf die Geschichte der christlichen Kirche und der Päpste beziehen. Ähnliches gilt für Marie d’Artois: Viele christliche Ritter folgten den Aufrufen in den nahen Osten aus Überzeugung, richtig zu handeln. Marie handelt im Spiel ebenfalls streng nach religiösen Glaubenssätzen, was man an ihren vielen Kommentaren erkennt. So erwähnt sie bspw. gerne, dass sie in Traum mit dem Herren zu sprechen glaubt. In der Kampange hinterfragt sie die Pläne zu Lucius‘ Kreuzzug auch nicht, erst nach dessen Verrat sieht sie ihre Fehler ein. Dabei spielen Inhalte der christlichen Religon allerdings keine große Rolle, auch hier, wie bei Lucius, ist Religion nur ein Mittel, um die Geschichte zu erzählen. Inhaltlich spielt es keine Rolle, dass sie dem christlichen Glauben folgt, aber die Kreuzfahrerrolle besitzt immerhin einen historischen Hintergrund.

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Der nette Blick täuscht: Marie d’Artois

So viel zu den drei „großen“ religiösen Charakteren, auch bei den anderen spiegelt das Thema immer mal wieder durch, ohne dabei einen gewissen Wert zu erhalten. Man bemerkt nur, dass die KI-Spieler oftmals religiös sind, ohne dieses aber weiter zu konkretisieren. Auch gibt es so gut wie keine Rückschlüsse auf Charaktereigenschaften, die durch religiöse Motive entstanden sind. Nur das ihre Glaube ein (kleiner) Teil ihrer Welt ist. Daran kann man zwar eine Säkularisierung sehen, wird dem Spiel jedoch nicht gerecht. Denn vor allem bei den 3 christlichen Charakteren versuchen die Entwickler, religiöse Elemente und Motivationen einzubeziehen, wobei diese manchmal überzeichnet wirken. Im Endeffekt kann man sagen, dass die Charaktere nicht säkularisiert sind, aber auch nicht zutiefst religiös. Aber dafür sehr unterhaltsam!

Thesencheck – Richtig oder Falsch?

Heinzes These von einem säkularisierten Mittelalter zeigt richtige Tendenzen auf, schießt aber ein wenig über das Ziel hinaus. Das Bedürfnis „Religion“ ist im Spiel zwar nur ein Wert von mehreren, den es zu erfüllen gilt, aber er unterscheidet sich in Form von Islam und Christentim. Die „eine Religion“ gibt es im Spiel nicht, sondern die religiösen Bedürfnisse der jeweiligen Spielseite (Orient oder Okzident) müssen individuell erfüllt werden. Damit hält die oben genannte Aussage nicht stand, denn die würde ja implizieren, dass es für einen Schalkefan keinen Unterschied machen würde, ob er sich nun für ein Schalke oder ein BVB-Trikot entscheidet. Weiterhin begleiten religiöse Gebäude den Spieler über eine ganze Partie hinweg, eine Kapelle ist das erste, der Kaiserdom das letzte öffentliche Gebäude im Okzident.

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Der Höhepunkt des Okzidents (und des Christentums?): Der Kaiserdom

Die historischen und kulturellen Unterschieden beider Religionen werden durch die Gebäude aber nicht deutlich, lediglich die verschiedenen Baustile kann man erkennen. Hier hat Heinze mit seiner These recht, wenngleich man kritisieren muss, dass er die KI-Spieler nicht in diese miteinbezieht. Denn wie oben aufgezeigt übernehmen diese ein wenig die Rolle der Religionsvermittler. Einige Charaktere haben einen kleineren, einige einen größeren Bezug zur Religion. Ihr Handeln geht aus diesem hervor oder orientiert sich an Leuten, die sich dieser zu den eigenen Zwecken bemächtigt haben. Auch hier beschränkt sich das dargebotene Bild nur auf Kleinigkeiten und wird der eigentlichen Bedeutung der Religion im Mittelalter sicherlich nicht korrekt, versucht jedoch sie nicht ganz wegzulassen. Und für ein Spiel von dieser Größe ist es wohl auch nicht anders möglich, Religion anders in das Spiel einzubinden. Es gibt schon so viele komplexe Spielelemente, wozu es auch „simple“ Gegenstücke geben muss. Öffentliche Bedürfnisse wie Vergnügen, Sicherheit oder Religion können hier besser als einfache Funktionen integriert werden, weil der komplexe Teil serientypisch dem Handel und der Produktion gehört. Zur oben genannten Aufzählung gehört es auch zu erwähnen, dass es Vergnügen und Sicherheit auch nicht „besser“ als die Religion haben. Die Menschen im Mittelalter haben sich sicherlich nicht nur in Schenken aufgehalten, um sich zu vergnügen. Ein anderer Aspekt ist die Frage, wie eine „komplexere“ Religion aussehen würde. Wenn man dem Christentum und dem Islam eigene Charaktereigenschaften geben würde, könnte man daraus unterschiedliche Ansichten der Entwickler über die jeweiligen Religionen interpretieren. Gerade beim Thema Religion sind viele Menschen sehr empfindlich, weshalb es für Spieleentwickler erstrebenswert ist, Konflikten aus dem Weg zu gehen. Also Religionen möglichst gleich zu behandeln. Nicht nur Anno 1404, auch Civilization folgt diesem Muster (in Teil 5 und 6): Die meisten heute existierenden Religionen können dort gegründet werden, stellen jedoch nur Namen bereit. Inhalte muss der Spieler selbst auswählen, die Entwickler treffen keine Vorauswahl.

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Nur Name und Motiv sind bei Civilization (hier Teil 5) vorgegeben, die Glaubenssätze der Religion „baut“ man selbst zusammen

Aus diesem Grund schießt Heinzes These über das Ziel hinaus, wenngleich sie viele richtige Punkte anspricht: Die Religion in Anno 1404 wird ihrer historischen Bedeutung nicht ganz gerecht, versucht sie aber so weit es geht in das Spiel einzubinden. Für den Spieler ist sie durch den Bau von religiösen Gebäuden und durch die KI-Spieler immer Teil des Spiels, wobei man sie aber eher passiv wahrnimmt. Das Mittelalter in Anno 1404 als „säkularisiert“ zu bezeichnen, ist also falsch. Trotzdem sind viele der angesprochenen Unterpunkte von Heinze richtig und zeigen die historischen Schwächen des Spiels auf. Wie in einem anderen Artikel schon geschrieben, sind mir diese jedoch lieber, als spielerische Schwächen. Denn in erster Linie spielt man ein Spiel, um unterhalten zu werden, und nicht um sich zu bilden. Und das schafft Anno 1404 auch ohne viel Religion. Hier könnte man nun hinterfragen, wie „spaßig“ das Leben im Mittelalter als Christ oder Muslim (oder sogar „Unglaübiger“, Hallo Inquisition!) wirklich war. Ein Scheiterhaufen wäre doch mal ein schönes Zierelement…

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