Wer ist es? – Spezial: Alexander der Große

Moment mal? Was hat Alexander der Große bei „Die Gilde“ zu suchen? Und sollte hier nun nicht der zweite Teil des „Frauen im Mittelalter“-Artikels zu Die „Gilde“ kommen? Alles richtig, aber Breaking News (wie oft kommt das bei diesem Thema bitte vor?!) haben dazwischengefunkt. Letzte Woche wurde ein DLC zu Civilization VI veröffentlicht, in welchem zwei neue Zivilisationen angekündigt wurden: Persien unter Kryos II. und Makedonien unter Alexander dem Großen. Beides eigentlich keine großen Überraschungen, weil sie bereits in früheren Teilen aufgetaucht sind. Interessant wird es bei der Auswahl der Nationen: Kyros ist wie in den vorherigen Teilen, in welchen er vorkam, der Anführer Persiens, Alexander dagegen ist nicht mehr ein Teil Griechenlands, sondern nun herrscht nun über einen unabhängigen Staat: Makedonien. Das ist eine große Zäsur in der Reihe, weil Alexander eigentlich synonym mit Griechenland bei Civilization war: In allen fünf vorherigen Teil war er als Anführer Griechenlands dabei. Hier gibt es nun eine klare Trennung zwischen Alexander und Griechenland. Civilization stößt damit auch in ein generell heikles Thema vor, denn in der heutigen Zeit gibt es zwischen Griechenland und Makedonien einen Streit darum, wem der historische Alexander „gehört“: Für Griechenland ist Alexander ein Grieche, der nahezu die bekannte Welt hellenisiert hat. Makedonien sei wie Sparta oder Athen ein Teil Griechenlands gewesen. Mazedonien dagegen sieht sich in der nationalen Identität als Nachfolgestaat Makedoniens und Alexander deshalb als einen der ihren an.

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Kleine Region, großer Streit: Makedonien und Mazedonien in Südosteuropa

2006 wurde der Flughafen in Mazedoniens Hauptstadt Skopje nach Alexander benannt, in Griechenland gab es aber bereits einen Flughafen mit diesem Namen (genauer gesagt: in Kavala). Was für manch einer jetzt für unwürdige Leichenschändung hält (Er gehört uns!! – Nein, uns!!!), ist tatsächlich ein brisantes Thema und durch den Aktualitätsbezug des neuen DLC’s auch einen Blogartikel wert. Deshalb rutscht er hier herein, der zweite Teil der Analyse vom mittelalterlichen Frauenbild in „Die Gilde“ folgt dann am 22. April. Heute wollen wir uns angucken, ob es eine „gute“ Idee von den Entwicklern war, Alexander nicht mehr als Griechen, sondern als Makedonen einzubinden. Dabei wünsche ich viel Spass beim Lesen!

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Vorwärts für Mazedonien? – Alexander-Statue in Skopje

Die Pro-Seite

Wie hat sich Alexander denn nun selbst gesehen? Als Grieche oder als Makedone? Sofern hier niemand eine Zeitmaschine hat, können wir darüber nur spekulieren. Aufgewachsen ist er auf jeden Fall als Makedone, sein Vater Philipp II. war makedonischer König und nicht griechischer König. Und auch die Kultur war relativ unterschiedlich, während die „anderen Griechen“ größtenteils städtisch geprägt waren, lebten die Makedonen eher ländlich. Auch die Staatsformen (griechische Demokratie ↔ makedonisches Königtum) war eher ein trennendes Element. Zum Königtum gehörte auch die Basilikoi Paides, zu deutsch: die königliche Pagenschule. Hierhin wurden die Söhne aus aristokratischen makedonischen Familien geschickt, um durch Pagendienste für den König eine militärische Ausbildung zu erhalten. Ein für Makedonien eigenständiges Element, was aus diesem Grund auch im Spiel das besondere Gebäude der Makedonen ist. Die unterschiedlichen Regierungsformen sollten Alexander dann zum Ruhm verhelfen. Nach der Ermordung seines Vaters 336 v.Chr. übernahm er als König die Macht in Makedonien und führte mehrere Kriege auf der griechischen Halbinsel. Bereits 338 v.Chr. hatte er zusammen mit seinem Vater die anderen griechischen Stadtstaaten besiegt, unter der Führung Athens und Thebens. Nachdem Theben unter seine Herrschaft eine Revolte wagte, machte er die ganze Stadt dem Erdboden gleich. Zwar nahm er danach zahlreiche griechische Truppen in sein Heer auf, aber der Großteil der Heeresleitung blieb in makedonischer Hand. Das Spiel zeigt das auch dadurch, dass seine Spezialeinheit der Hypaspist ist: Eine besonders in der makedonischen Phalanx gern aufgestellte Einheit. Und das es Alexander dabei nicht um das „griechisch sein“ des Militärs generell ging, zeigt sich daran, dass er später auch persische und andere „äußere“ Soldaten in sein Militär berufen hat. Seine makedonische Identität ist nicht durch eine griechische ersetzt wurden. Allgemein ist das kriegerische Wesen Alexanders durch die militärischen Boni sehr gut hervorgehoben, auch wenn die Einseitigkeit andere wichtige Aspekte (wie bspw. die Verschmelzung eroberter Kulturen) aus dem Fokus wirft.

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Gib eine Beschriftung ein

Die Contra-Seite

Während Alexanders Vater eher ein Punkt für die Makedonen brachte, so sorgt seine Mutter Olympias zumindest für einen kleinen Schritt in Richtung Griechenland. Das liegt nicht an ihrer wirklichen Abstammung, welche eher als ungriechisch einzuschätzen ist, sondern an der „gedachten“ Abstammung. Gedachte Abstammung? Nun ja, Olmpyias sah die griechischen Helden Achilleus (Bekannt durch Brad Pitt in Troja!) und Aiakos als Vorfahren an und bestand auch bei der Erziehung Alexanders darauf, dass ihm dies bewusst war. Gerade Achilleus war ein großes Vorbild für Alexander und wenn er sich in dessen Reihe gesehen hat, dann wohl eher als Grieche und nicht als Makedone. Und wenngleich seine Heeresleitung größtenteils makedonisch geprägt war, kann man den griechischen Einfluss, der durch seine Eroberungen kam, nicht leugnen. Der unter dem deutschen Historiker Johann Gustav Droysen geprägt Begriff des Hellenismus bezeichnet extra die Phase seit Alexanders Machtübernahme: Die griechische Kultur breitet sich aus, griechische Schrift und Sprache setzt sich durch, griechische Münzen werden gedruckt etc.. All diese Punkte kennzeichnen weniger eine besondere makedonische, sondern eine allumfassende griechische Kultur. Interessanterweise greift auch das Spiel auf diesen Begriff zurück, wenn es den Bonus der Makedonen „Hellenistische Fusion“ nennt. Beim Erobern von Städten bekommt man zusätzliche Boni, je nach Art der Stadtbezirke. Nach der Spiellogik könnten also die Griechen hellenisiert werden, was doch ziemlich verwirrend klingt.

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Brachte den Menschen griechische und keine makedonische Kultur: Alexanders Feldzüge

Why not both?

Was ist nun das Ergebnis? Für beide Seiten könnten man Argumente hervorbringen, die entweder dafür oder dagegen sprechen: Alexander als Makedone, der erst Griechenland und dann die Welt erobert hat. Oder Alexander als Grieche, der die griechische Kultur in einen Großteil der damals bekannten Welt gebracht hat. Da die Ausgangsfrage bewusst nach dem Motto „Entweder …, oder?“ formuliert ist, aber keine zufriedenstellende Antwort liefert, erlaube ich mir einen kleinen Kniff: Warum nicht beides? Warum kann man ihn nicht als Griechen UND Makedonen sehen? Jemand kann sich ja nicht nur der nationalen Ebene, sondern auch der lokalen Ebene zugehörig fühlen. Ein Bayer und ein Niedersachse sind beides Deutsche, aber doch mit unterschiedlichen Wurzeln. Und genauso sieht es bei Alexander aus: Er ist Makedone, aber damit auch ein Grieche. Für Civilization wäre das kein Problem gewesen, denn im Prinzip wendet man diesen Gedanken mit Gorgo und Perikles schon an: Der eine Athener, die andere Spartanerin, aber beide Griechen. Wenngleich Makedonien sich nochmal von den beiden Stadtstaaten unterscheidet, wäre die übergeordnete Zuweisung als Grieche nicht verkehrt gewesen. Warum hat man das nicht gemacht? Vermutlich wollten die Entwickler nicht drei Anführer für einen Staat haben, während kein anderer Staat einen zweiten hat. Bei einem dritten Griechen hätten sie sich schon die Frage stellen müssen, warum nicht erst andere Nationen einen weiteren Anführer bekommen hätten. Somit blieb nur die Möglichkeit, ihn über eine Hintertür in Spiel zu bringen und das war das (spielerische) Loslösen von Griechenland.

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Eine Spartanerin, ein Athener – Zwei Griechen: Gorgo und Perikles

Im Endeffekt ist die Entscheidung, Alexander eine eigene Nation zu geben, zumindest umstritten. Positiv hervorzuheben ist die Tatsache, dass es so eine der bekanntesten Persönlichkeiten der Weltgeschichte ins Spiel geschafft hat. Auch die größere spielerische Vielfalt wird durch eine komplett neue Zivilisation mehr vergrößert, als wenn er nur „ein weiterer“ Grieche gewesen wäre. Da wäre nur einer der 4 Boni unterschiedlich gewesen. Und wenn man böse ist kann man hinzufügen, dass sich ein DLC mit einer ganz neuen Zivilisation besser verkaufen lässt, als nur ein neuer Anführer. Aber die vom Spiel gemachte Trennung ist nicht ganz so einfach, wie sie dargestellt wird. Denn auch wenn die Makedonen eine relativ eigene Kultur hatten, so gilt dies ebenso für Athener oder Spartaner. Trotzdem sind diese beiden im Spiel als „Griechen“ beschrieben. Aus meiner Sicht wäre es die klügste Wahl gewesen, Alexander hier einzuordnen. Man hätte durch einen speziellen Bonus (mit Konzentration auf Eroberungen?) hervorheben können, dass sich die Makedonen von Athen (Perikles) und Sparta (Gorgo) unterscheiden. Zugleich würde man das Problem umgehen, ihn nicht als Griechen dastehen zu lassen, wie es jetzt geschieht. Rome II Total War bspw handhabt es ebenso.

Soweit zu Alexander, aber die Zeit muss sein. Nach dem Umweg über die Antike machen wir uns nun wieder auf den Weg ins Mittelalter, widmen uns statt einem Mann vielen Frauen. Übrigens: Alexander hatte im Laufe seinen Lebens sogar 3 Ehefrauen! Gleichzeitig!

P.S.: Wer noch nicht genug hat: Einen weiterführenden (und sehr lesenswerten!) Artikel zu der Frage nach Alexanders Herkunft gibt es hier auf welt.de zu lesen!

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