Der ertrunkene Kaiser – Barbarossas Tod in Age of Empires II

Abnehmen, weniger Plastik verwenden, freundlicher zu seinem Nachbarn sein… die Liste an guten Vorsätzen ist zu Beginn eines Jahres immer besonders hoch. Ein guter Vorsatz (und damit auch der einzige) meinerseits ist, sich mehr mit meinem Lieblingsspiel zu befassen: Age of Empires II. Mittlerweile führe ich diesen Blog knapp 1 1/2 Jahre und es gibt noch keinen einzigen Artikel, obwohl dieses großartige Spiel viel mehr Aufmerksamkeit verdient hat. Durch die HD Editionen, die letzten Add-Ons und die Ankündigung des vierten Teils erlebt die Serie momentan aber ein kleines Revival, weshalb der Zeitpunkt der guten Vorsätze momentan ganz passend kommt: Dieses Jahr wird es also einige Artikel zu Age of Empires II geben und anfangen möchte ich heute mit einem ganz besonderen Thema: Dem Ende! Aber nicht mit irgendeinem Ende, sondern mit dem Tod Friedrich Barbrossas. Denn sein überraschender Tod im Fluss Saleph am 10.06.1190, mitten in einem Kreuzzug, passt überhaupt nicht zu den großen Leistungen, die er in seinem Leben ansonsten vollbracht hat. Viele Mythen und Sagen ranken sich um den Tod des Kaisers und wir wollen uns heute einmal angucken, wie das Spiel diesen Tod und die folgenden Ereignisse in seine Kampagne eingebaut hat. Insofern heißt es nun, sich erstmal zurückzulehnen und aus dem gerade gekommenen Jahr 2018 zu verabschieden, denn wir müssen knapp 9 Jahrhunderte zurückreisen…

Ein gewaltiges Leben

Schon in der Einleitung der Barbrossa-Kampagne wird dessen Größe hervorgehoben. Ein zu diesem Zeitpunkt noch unbekannter Erzähler (welcher sich am Ende als dessen Rivale Heinrich der Löwe herausstellt, ein genialer Twist!) berichtet uns davon, dass alles an diesem Mann enorm gewesen sei. Gleichzeitig wird auf sein großes Ziel hingewiesen, das heilige römische Reich zu einen.

löwe
Ein Twist, bevor es „cool“ war: Der letzte Satz der Barbarossa-Kampange

Die wechselnden Konflikte auf deutschem und italienischem Boden bilden die Grundlage für die ersten 4 Szenarien „seiner“ Kampange. Dieser Abschnitt endet schließlich mit dem Frieden von Konstanz, welcher als Endpunkt der europäischen Handlungen Barbarossas dargestellt wird. Das Spiel deutet zwar darauf hin, dass dieser Frieden sehr brüchig ist, lenkt den Spieler aber gezielt zu einem neuen Setting: Barbarossas Kreuzzug ins heilige Land. Zwar wird nicht viel über seine Motivation erzählt, warum er zu diesem Kreuzzug aufbricht, aber dafür wird das Ziel umso deutlicher vor Augen geführt: Jerusalem. Hier gibt es einen kleinen Querverweis auf eine andere Kampagne des Hauptspiels, nämlich die von Saladin, in welcher man nun Jerusalem erobert. Wer diese Kampange also zuerst gespielt hat, erfährt nun, dass er selbst der Grund für den Kreuzzug ist! Wieder eine dieser großartigen Kleinigkeiten in den Kampagnen von Age of Empires II. Generell ist aber hervorzuheben, dass sich das Spiel bis hier relativ genau an bestimmten Situation von Barbarossas Leben orientiert. Zwar gibt es immer mal kleine Ungenauigkeiten (So findet z.B. der im Spiel nach den 6 Italienfeldzügen als Abschluss präsentierte „Frieden von Konstanz“ schon vor dem sechsten Italienfeldzug statt), aber im großen und ganzen findet die Kampange ein gutes Maß aus spannender Erzählung und historischer Genauigkeit. Auch spielerisch wurden bestimmte Ereignisse in Missionen eingebaut, so weigert sich der eigentlich Verbündete Heinrich der Löwe in der vierten Mission, Barbarossa mit Truppen gegen den Lombardenbund zu unterstützen und sagt sich vom Spieler los. Genauso wie es Heinrich 1176 getan haben soll (angeblich fiel Barbarossa sogar auf die Knie, um ihn zu überzeugen). In der fünften Mission spielt man nun die Reise des Kaisers durch das Gebiet der heutigen Türkei nach, bis er schließlich zu einem Lager des Johanniterordens gelangt. Und hier kommt nun der große Clou: Sofort nach dem Erreichen dieses Lagers erscheint der „Sie haben gewonnen!“-Bildschirm. Hurra! Doch in dem darauffolgenden Endtext des Szenarios kommt die eigentliche Niederlage. Barbarossa stirbt! Oder genauer gesagt: er ertrinkt.

barbrossa ertrinken
Baden – Kenn dein Limit!

Der Tod kommt nass

Nachdem man in 5 langen Szenarien Deutschland und Italien erobert, sowie mühsam sandige Kluften durchquert hat, stirbt nun einfach so die Hauptperson der Kampagne weg. Was schon fast an Game of Thrones erinnert, ist jedoch historische Realität. Jedenfalls soweit es sich wieder konstruieren lässt: Ende Mai des Jahres 1190 erreicht Barbarossa mit seinem Heer das Königreich Kleinarmenien, kurz darauf den Fluss Saleph, welcher heute Göksu heißt. Und hier gehen die Geschichten nun auseinander. Dass er ertrunken ist, gilt als relativ sicher. Unsicherer wird es dabei schon bei dem warum: Wollte er den Fluss durch schwimmen überqueren? Wollte er nur ein „Erfrischungsbad“ nehmen? Hatte er in der Hitze einfach vergessen, seine Rüstung abzulegen und wurde unter Wasser gezogen? Oder gab es einen Herzinfarkt (Barbarossa war immerhin schon knapp 70 Jahre alt) beim schwimmen? All diese Theorien entstanden schon relativ zeitnah nach seinem Tod und überdauern bis heute. Schaut man sich die überlieferten Versionen nun genauer an, so werden zwei noch als „am plausibelsten“ eingestuft. Die erste unterstützt die Theorie des Ertrinkens: Barbarossa soll unzufrieden über das langsame Vorankommen seines Heeres gewesen sein. Die schmale Brücke über den Saleph konnte sein großes Heer kaum ausreichend hinübersetzen. Daher beschloss er, auf seinem Pferd durch den Fluss zu reiten und den Vorgang so zu beschleunigen. Dies ging jedoch schief und in der Mitte des Flusses riss ihn eine Strömung vom Pferd und in den Tod. Ziemlich unsouverän für einen Herrscher seines Ausmaßes. In der anderen Erzählung kommt nun das Alter ins Spiel: Nachdem Barbarossa ein Lager am Saleph aufgeschlagen hatte, nahm er ein größeres Mahl zu sich. Den zusätzlich durch die Junihitze aufgehitzten Körper wollte er nun abkühlen und praktischerweise befand sich direkt neben ihm ein Fluss. Barbarossa stieg also in diesen Fluss und sackte kurz daraufhin zusammen: Das kühle Wasser hatte in dem heißen Körper für einen Herzstillstand gesorgt.

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Lädt zum Baden ein: Der Saleph/Göksu in der Türkei

Auch Age of Empires II folgt im Prinzip diesen beiden Theorien, wenngleich die ganze Geschichte dort ein wenig dynamischer wirkt. In der dortigen Erzählung nach dem Gewinnen der fünften Mission trifft Barbarossa eher zufällig auf den Fluss Saleph und entscheidet sich spontan, sich dort zu erfrischen, ohne die Rüstung abzunehmen. Dramatisch wird nun erzählt, wie das ganze Heer Barbarossas Ertrinken mit ansehen musste. Auch hier werden die Thesen vertreten, dass er entweder in den Fluten weggerissen und nicht schwimmen konnte, oder sein Herz „einfach aufhörte zu schlagen“. Alles sind jedoch auch nur Vermutungen. Gekonnt wird somit in nur drei Folien ein relativ dramatisches Ende für die Hauptperson der Kampagne geschaffen. Aber das Ende Barbarossas ist nicht gleich das Ende der Barbarossa-Kampange: Denn jeder Age of Empires II-Spieler wusste schon damals, dass die Kampagnen doch immer 6 Missionen hatten. Doch wie sollte man eine weitere Mission machen, wenn die Hauptperson gerade gestorben war? Auch hier bedient sich Age of Empires II den historischen Ereignissen, verändert jedoch eine wichtige Kleinigkeit…

Der schlafende Kaiser

Barbarossas Tod war (wenig überraschend!) ein großer Schock für das mitgereiste Heer. Ein Großteil der Truppen machte sich kurz darauf wieder auf den Rückweg nach Europa: Unter welchem Zeichen sollte ein solcher Kreuzzug stehen, dem der Anführer genommen wurde? Trotz der Demoralisierung wurde der Leichnam des Kaisers noch bis nach Antiochia gebracht. Dort wurde er nach dem damaligen Brauch gekocht, um die Knochen und Haut zu trennen: Anschließend wurde die Haut in Antiochia selbst bestattet. Barbarossas Gebeine dagegen… verschwanden. Tatsächlich gibt es bis heute keine festen Beweise über den Aufenthaltsort seiner Knochen. Am wahrscheinlichsten ist wohl ein Ort im Heiligen Land, aber alles basiert größtenteils auf Vermutungen. Sicher ist nur, dass sie nicht im Kyffhäuser liegen, von welchem aus Barbarossa der Sage nach wieder auferstehen und das Reich einen werde. Nach dieser würde er dort bis zum Zeitpunkt der Reichtseinigung schlafen. Tatsächlich entwickelte sich diese Sage erst knapp 600 Jahre nach seinem Tod und in den ersten Versionen war nicht er, sondern Friedrich II. der schlafende Kaiser.

Kyffhaeuserdenkmal
Lädt zu langen Totenruhen ein: Der Kyffhäuser in Thüringen

Es gibt jedoch einen Anhaltspunkt für den letzten Ruheort Barbarossas, welchen sich die Entwickler von Age of Empires II für ein interessantes Szenario zu Gute gemacht haben: Barbarossas Ziel war Jerusalem und nach seinem Tod war es der Wunsch einiger Kreuzfahrer, seine Gebeine in der Jerusalemer Grabeskirche beizusetzen. Dazu sollte es jedoch nicht kommen, da die Stadt nicht erobert werden konnte. Age of Empires II nimmt diesen Aufhänger nun und macht die letzte Mission dieser Kampagne zu der einzigen, in welcher man nicht tatsächliche Geschichte nachspielt, sondern sie verändert! Denn sie beauftragt den Spieler, den Leichnam des Kaisers nach Jerusalem zu bringen! Was dem toten Kaiser in echt also verwehrt blieb, sollte er nun im Spiel erreichen. Sofern der Spieler diese relativ schwierige Mission meistert.

kaiser im faß
Hat jemand einen Kaiser im Fass bestellt?

Es ist interessant, dass die Entwickler sich hier zu diesem Schritt entschieden haben, die Geschichte zu verändern, als einen anderen Zeitpunkt einzubauen und die Kampagne mit Barbarossas Tod enden zu lassen. Es wäre ohne Probleme möglich gewesen, eine weitere Mission in Italien spielen zu lassen und die fünfte Mission zur letzten Mission zu machen: Sein Leben böte genügend Vorlagen. Nur bietet sich eine Erzählung mit einem versöhnlichen Ende mehr an, als sein relativ überraschender Tod. So wirkt es für den Spieler, als würde ihm, der Barbarossa durch alle Probleme geführt hat, zu Ehren dieser letzte Wunsch erfüllt werden. Den letzten Wunsch einer verstorbenen Person zu erfüllen gilt nicht nur in der Literatur als große Geste und sie ist einer so großen historischen Person, wie sie Friedrich Barbarossa zweifelsohne ist, sicherlich angemessen. In diesem Sinne zeigt sich auch hier, dass das Verzichten von historischen Fakten (sofern man hier davon sprechen kann) durchaus zu einer besseren Erzählung beiträgt. Age of Empires II vermischt in der letzten Mission das historische Bestreben gekonnt mit den Möglichkeiten des Spiels, um einen sehr guten Abschluss für diese Kampange zu schaffen. Generell ist die Barbarossa-Kampange von denen des Grundspiels auch heute noch sehr empfehlenswert und getreu meines guten Vorsatzes, werde ich jetzt nicht nur mehr über Age of Empires II schreiben, sondern auch mehr Spielen! Also einen guten Start ins neue Jahr und man sieht vielleicht mal in einem Spiel.

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2 Gedanken zu “Der ertrunkene Kaiser – Barbarossas Tod in Age of Empires II

  1. Ein weiterer spannender und sehr schön lesbarer Beitrag! Ich habe weder Age of Empires gespielt noch kenne ich mich mit deutscher Geschichte besonders gut aus, aber du kriegst das immer wieder hin, mich in das Thema reinzuziehen und zu fesseln. 🙂

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    1. Vielen Dank 🙂 Es freut mich immer, Leute für Themen begeistern, zu welchem sie nicht so viel Bezug haben. Man lernt etwas dazu. Genauso wie die ganzen Empfehlungen auf deiner Seite, bei welchen ich über meinen „Komfortbereich“ herausgehe. 🙂

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