Märchenkönig oder Werwolf? – Ludwig II. in Gabriel Knight II [Halloween-Special]

Wenn man an bayrische Alleinherrscher denkt, könnte man auf so einige Namen kommen. Den Fußballfans kommt natürlich der Patriarch des FC Bayern München, Uli Hoeneß, in den Sinn. Andere denken gleich an CSU-Chef Horst Seehofer, welcher Bayern seit einigen Jahren mit absoluter Mehrheit regiert. Wenn man von der Gegenwart nun in die Vergangenheit geht, gibt es aber einen Namen, welcher den meisten durch Bauten wie Schloss Neuschwanstein bekannt sein dürfte: Ludwig II, König von Bayern von 1864 bis 1886. Nicht umsonst trägt er den Beinamen Märchenkönig. Die Regentschaft Ludwigs II. steht aber auch eng verbunden mit dem Ende des unabhängigen bayrischen Königreichs: Unter seiner Herrschaft wurde Bayern 1871 Teil des neugegründeten Deutschen Reichs. Zwar behielt Ludwig II. seinen Titel, aber ein Großteil der politischen Entscheidungen wurde nun mehr in Berlin getroffen. Auch finanziell sollte der Traum vom Schlösser bauen eher kostspielig für Bayern werden, erst 1902 konnten die durch Ludwig angehäuften Schulden komplett abbezahlt werden. Insofern ist Ludwig II. eine schillernde Figur in der Bayrischen und auch Deutschen Geschichte. Aber auch eine mysteriöse: Ihm wurde angedichtet, homosexuell gewesen zu sein, ebenso soll er eine Geisteskrankheit gehabt haben. Diese war 1886 dann auch der Grund, warum er am 9.6.1886 entmündigt wurde. 4 Tage später fand man dann seine Leiche (und die eines Begleiters) im Starnberger See. Hatte er sich selbst umgebracht? Oder wurde er getötet? Sollte etwas größeres verheimlicht werden? Bis heute ist vieles ungeklärt und liefert den Stoff für zahlreiche Mythen und Verschwörungstheorien.

Aber man kann diese Lücken auch anders nutzen, wie der Entwickler Sierra On-Line 1995 zeigte. Zusammen mit der Autorin Jane Jensen entwickelte man ein Adventure, welches diese Mythen aufgreifen sollte: The Beast Within: A Gabriel Knight Mystery (oder kurz: Gabriel Knight II). Den meisten Menschen im deutschsprachigen Raum dürfte das Spiel durch das höchst unterhaltsame Lets Play-Format Spiele mit Bart der Rocketbeans bekannt sein. Kurz zusammengefasst handelt das Spiel von dem Schattenjäger Gabriel Knight, welcher sich in Bayern um mysteriöse Wolfsangriffe kümmern muss.

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Klick mich, schick mich: Gabriel Knight II ist ein Point-and-Click-Adventure im Stil eines interaktiven Film

Schnell kommt er auf die Spur, dass es sich dabei um Werwölfe handeln könnte und es nicht die ersten sind: Schon früher (das Spiel selbst spielt im Jahr 1995) gab es solche Angriffe und einer der Werwölfe damals: Ludwig II.! Diese (Achtung Spoiler: fiktive) Information wird aber geschickt um tatsächliche historische Fakten gewebt, sodass die im Spiel erzählte Geschichte auf den Spieler durchaus glaubwürdig wirkt. Und sie steht beispielhaft für die beliebte Angewohnheit in Videospielen, reale Ereignisse um fiktive Elemente zu ergänzen, um so eine stimmige Geschichte zu entwickeln. Als großer Fan des oben genannten Lets Plays habe ich mich deshalb entschieden, passend zu Halloween einen Blick auf die historische Darstellung Ludwigs II. In Gabriel Knight II zu werfen und Fakten und Fiktion einmal säuberlich zu trennen. Und an welchem Tag könnte das besser passen, als an Halloween? In diesem Sinne wünsche ich schaurig-schönen Spass beim Lesen!

 

Märchen vom Märchenkönig

Im Spiel taucht Ludwig II. nicht gleich im ersten Kapitel auf, sondern die Verbindung kommt als eine Art Überraschung erst etwas später. Während Gabriel Knight in der “königlich bayrischen Hofjagdloge” ermittelt (erster kleiner Bezug zu Ludwig II. als König), entdeckt seine Kollegin Grace Nakimura (ebenfalls ein spielbarer Charakter) an anderer Stelle frühere Vorfälle mit Werwölfen, wo zum ersten Mal der Name Ludwig II. fällt: Angeblich sei auch er in einen solchen Fall verwickelt gewesen. Das ganze präsentiert sich dabei im sehr populärwissenschaftlichen Verständnis von historischer Forschung: man findet ein “geheimes” Regal mit bisher unbekannten Informationen, greift sich aus einer riesigen Wand gleich das passende Buch und findet den wichtigen Hinweis (einen Brief an Ludwig II.) sofort beim ersten Aufschlagen. Ach, hat es ein Historiker doch einfach! Auf jeden Fall wird dem Spieler sofort eine erste Verbindung zwischen den mysteriösen Vorfällen und Ludwig II. geschaffen. Wenn man den Brief nun öffnet, erfährt man, dass ein Vorfahr von Gabriel Knight (Der Beruf des Schattenjägers liegt in der Familie!) Ludwig davor warnte, sich mit jemandem zu treffen, welcher „der schwarze Wolf“ genannt wird. Interessanterweise wird Ludwig in diesem Brief bereits als König angesprochen, obwohl er auf den 4. März 1864 datiert ist: Ludwig wurde aber erst am 10. März König proklamiert, als sein Vater starb. Abgesehen von dieser Kleinigkeit schafft man so aber die erste Basis zwischen Ludwig und dem Werwolf.

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Guckt skeptisch: Ludwig II. im Spiel

 

Kurz darauf trifft Grace Nakimura in einer Dorfkneipe einen älteren Wirt, welchen sie in der Suche auf Informationen auf Ludwig II. anspricht. Ein wenig verklärt erzählt er ihr die Umstände seines Todes, wobei er kein Anhänger der Selbstmordtheorie ist: Seiner Meinung nach sei Ludwig “von Politikern” umgebracht wurden, ebenso sei der Wahnsinn nur ausgedacht gewesen, um einen Grund vorweisen zu können. Weiterhin erwähnt er, dass “die Bayern” “ihren” Ludwig als letzten wahren König in Erinnerung halten würden. Somit wird dem Spieler relativ schnell, dass Ludwig in der Geschichte wohl noch eine größere Rolle spielen wird und auch sein Tod wird den Spieler wohl noch beschäftigen. Im Fokus steht Ludwig hier jedoch noch nicht, die Informationen fließen eher beiläufig ein. Während andere Sachen im Vordergrund stehen, werden hier “im Vorbeigehen” schon einmal die ersten Andeutungen gelegt. Und man bedient sich des oben genannten Doppelwegs: historische Bilder (Ludwig als großer und im Volksmund beliebter König der Bayern) werden mit fiktiven Ereignissen (trifft einen “schwarzen Wolf”) gemischt.

 

Gute Freunde kann niemand trennen

Im weiteren Verlauf des Spiels rückt Ludwig dann immer mehr in den Fokus. Das in mehrere Kapitel aufgeteilte Spiel konzentriert sich im vierten Abschnitt fast gänzlich auf die Nachforschungen von Grace bezüglich seiner Vergangenheit. So bereist sie Schloss Neuschwanstein und das König Ludwig II.-Museum auf Herrenchiemsee, später auch noch den Starnberger See, Ludwigs Todesort.

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Der nicht mehr ganz so frische Tatort: Gabriels Kollegin Grace ermittelt am Starnberger See

Bevor jemand fragt: Ja, auch das Museum existiert und kann heute besucht werden. Ludwig selbst taucht übrigens selbst kurz auf, wenn auch nur als kurz Spiegelbild im Wasser, nachdem Grace eine Lilie in den Starnberger See gelegt hat. Das Ergebnis der Nachforschungen ist schließlich, dass Ludwig irgendwie in die mögliche Werwolfsgeschichte verwickelt ist, genauso wie sein “guter Freund” Richard Wagner. Hier spielt das Spiel auf die besondere Beziehung zwischen Wagner und Ludwig an, die zweifelsohne vorhanden war: So bezahlte Ludwig Wagners Schulden ab, ließ dessen Opern im Nationaltheater München uraufführen und förderte das Richard-Wagner-Festspielhaus. Obwohl es in der Beziehung zwischen den beiden auch Probleme gab (so war Wagners Antisemitismus Ludwig ein großer Dorn im Auge), kann man die beiden doch als Freunde bezeichnen. Dementsprechend lässt das Spiel Wagner auch in sehr privaten Dokumenten auftauchen: In Einträgen aus Ludwigs “Tagebuch”. Auch hier greift das Spiel historische Tatsachen auf, fügt aber in die erzählte Geschichte passende Fiktionen ein. Ludwig führte nämlich ein Tagebuch, ebenso regen Briefwechsel mit Wagner. In diesem wird auch noch einmal deutlich, wie sehr sich die beiden schätzten:

Und wenn wir beide längst nicht mehr sind, wird doch unser Werk noch der späteren Nachwelt als leuchtendes Vorbild dienen, das die Jahrhunderte entzücken soll

Dies verfasste Ludwig 1865 und es wird deutlich, dass er sein und Wagners Werk als verbunden ansieht. Und als Werk, dass die Jahrhunderte überdauern wird. Mit den Werken sind hier sicherlich Wagners Opern und Ludwigs Schlösser gemeint. Im Spiel nun erwähnt Ludwig Wagners große Leistungen auf dem Feld der Musik, nennt ihn weiterhin den “großen Freund”. In demselben Tagebuch taucht aber wieder der ominöse “schwarze Wolf” auf, wenngleich er hier anders genannt wird (Mein Judas! Mein Teufel!). Kurz gesagt findet der Spieler durch die Recherche heraus, dass Ludwig über die Jahre hinweg regelmäßigen Kontakt mit ihm hatte und dabei wohl mit dem Werwolfvirus infiziert wurde.

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Egal ob Briefe, Tagebücher oder Bibliografien: Zu Lesen gibt es über Ludwig II. im Spiel genug

Er hat jedoch Mühe, diesen zu kontrollieren, bis er schließlich feststellt, dass Wagners Musik heilende Kräfte zu haben scheint. Schließlich entwickeln die beiden in Experimenten eine Formel, welche ihn heilen soll. Und diese Formel ist… eine Oper! Zwar kann diese Oper noch fertiggestellt werden, aber die Planung für die Aufführung gerät durch Wagners Tod 1983 ins Stocken, weil sich Ludwig im April 1983 über Wagners Tod beklagt. Dieser starb jedoch schon 2 Monate früher, im Februar. Ludwig versucht nun selbst, die Aufführung zu planen (inklusive ein paar mysteriöser Kristalle), was durch den letzten Eintrag vom 10.10.1885 deutlich wird. Der Spieler findet hier ein historisches Dokument, welches in der Spielwelt auch deutlich als solches zu erkennen ist. Wenn man von den offensichtlichen Fantasy-Anleihen absieht, wirken die Themen und Inhalte aber durchaus realistisch. Die Freundschaft zu Wagner, dessen Musik, das Auftauchen anderer Persönlichkeiten wie z.B. seiner guten Freundin Elisabeth von Österreich-Ungarn (besser als Sissi bekannt). Ebenfalls gibt es von Wagner ein paar unvollendete und unveröffentlichte Opern, worauf das Spiel zurückgreift. Und in seiner Oper “Die Walküre“ beschäftigt sich Wagner selbst ein wenig mit dem Thema Werwölfe: Siegmund, der Hauptcharakter, deutet an, mit seinem Vater als Wolf im Wald gelebt zu haben. Somit schafft das Spiel hier eine gute Mischung zwischen Fakt und Fiktion, welche zur dichten Atmosphäre einiges beiträgt.

Selbstmord ist sein Hobby?

Wenn wir einmal die Informationen, welche uns das Spiel bisher präsentiert, zusammenfassen, sieht das so aus: Ludwig trifft sich regelmäßig mit dem ominösen “schwarzen Wolf” und scheint bei diesen Treffen mit dem Werwolf-Virus infiziert worden zu sein. Durch die Musik seines Freundes Richard Wagner scheint es aber ein Heilmittel zu geben, weshalb die beiden diese in Form einer Oper erarbeiten. Zwar gelingt es Wagner noch, die Oper zu vollenden, aber in den Plänen zur Aufführung stirbt er, sodass Ludwig diese selbst planen muss. Es gelingt ihm jedoch nicht, die nötigen Kristalle rechtzeitig zusammenzubekommen. Und hier präsentiert das Spiel nun eine recht eindeutige Erzählung, warum es Ludwig nicht schafft: Er wird ermordet! Oder jedenfalls zum Selbstmord gezwungen. Das Spiel suggeriert, dass es Ludwig nach seiner Absetzung bewusst war, bald sterben zu müssen. Deshalb versteckt er die unveröffentlichte Wagner-Oper, bevor er von einigen Leuten, die zwar nicht näher beschrieben werden, aber offensichtlich bedeutenden Einfluss haben, abgeholt und zum Starnberger See gebracht wird.

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Fast wie Ostereier suchen: Ludwig versteckt die Operin mehreren Teilen an verschiedenen Orten

Offenbar wird sein Tod von höherer Stufe gewollt, womit sich das Spiel ziemlich deutlich auf die auch heute noch existierende Theorie des Mordes an Ludwig orientiert. Ludwig hat sich nicht selbst umgebracht, sondern wurde ermordet. Kurz vor seinem Tod sehen wir (in einer Art Rückblende) dann auch die wahre Identität des “schwarzen Wolfs”: Es ist Baron von Glover, eine Person, die wir als Gabriel Knight in vorherigen Kapiteln bereits kennengelernt haben. Mit der Gabe des ewigen Lebens ausgestattet scheint er die über 100 Jahren zwischen Ludwig und Gabriel problemlos überstanden zu haben. War der Tod Ludwigs also sein Plan? Mag es auf dem ersten Blick so scheinen, so nimmt sich das Spiel einer weiteren historischen Figur an, um seine Motivation zu erläutern: Otto von Bismarck.

 

Es mag klischeehaft wirken, aber ein Videospiel, welches in Deutschland spielt, scheint immer irgendeinen Bezug zu Bismarck haben zu müssen. Im Verlauf des letzten Kapitels erfahren wir, quasi als letzten Twist, dass von Glover nämlich in dessen Auftrag gehandelt hat. Dieser wollte Ludwig mit allen Mitteln dazu bewegen, Bayern einen Teil des neuen deutschen Kaiserreichs werden zu lassen. Damit verbunden war die Aufgabe der vollständigen Alleinherrschaft Ludwigs und die Abgabe von Befugnissen nach Berlin. Auch sollte der Kaiser des neuen Reichs über dem bayrischen König stehen. Dies, und die Tatsache, dass Ludwig 5 Jahre zuvor noch (erfolglos) gegen Preußen im Deutschen Krieg auf Seiten Österreichs gekämpft hat, sollte für Ludwig eine schwierige Entscheidung werden. Durch Geldzahlungen und gewisse Sonderrechte ließ sich Ludwig schließlich überzeugen und er unterzeichnete den von Bismarck geschickten Kaiserbrief, in welchem er sich an der Bitte, dass Preußenkönig Wilhelm I. Kaiser des neuen deutschen Reichs werden solle, anschloss. So viel zum historischen Verlauf. Das Spiel folgt diesem Muster, nur tauscht es die Gründe für den Beitritt mit einer fiktionalen Erzählung aus, die sich aber problemlos in das Spielgeschehen einfügt:

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„Wird er mein Geheimnis lüften?“ – von Glover (links) erscheint gleich nach seinem ersten Auftritt relativ zwielichtig

Bismarck sandte von Glover zu Ludwig, welcher ihn scheinbar gezielt mit dem Werwolf-Virus infizieren sollte. Mit diesem Wissen in der Hinterhand konnte er Ludwig erpressen, was im Spiel dann zu Ludwigs Zusage führte, Teil des neuen Kaiserreichs zu werden. Auch wenn es im Spiel chronologische Ungenauigkeiten gibt, weil der Beitritt dort erst 1872 erfolgte. Auf jeden Fall geht das Spiel den auch in den vorherigen Kapiteln gegangen Weg weiter und bindet historische Ereignisse geschickt in die fiktive Spielerzählung ein. Auch wenn Bismarck interessanterweise damit in die Rolle des eigentlichen Bösewichts schlüpft. Weil er Ludwig nicht mit Argumenten überzeugen konnte, musste er zu dubiosen Mitteln greifen und ihn zu einem Werwolf werden lassen, um ihn zu erpressen. Praktisch, einen solchen dann schon in seinen eigenen Reihen zu haben! Warum Ludwig am Ende nun sterben musste, wird im Spiel nicht ganz deutlich, scheinbar entwickelte er durch die Gerüchte um eine mögliche Heilung Ludwigs durch die Oper Angst, sein Plan könnte aufgedeckt werden. Als Reichskanzler war er auch 1886 in einer weitaus bedeutenderen Stellung als der politisch relativ ruhig gestellte König von Bayern, auch wenn ein so groß geplanter Mord (Im Spiel sind mehrere Personen beteiligt) wohl schwierig geheim gehalten hätte werden können. Weiterhin wird explizit erwähnt, dass Ludwig nicht verrückt war, sondern „nur“ nach einer Heilung für seine Krankheit gesucht hat. Er selbst hat keine Schuld an seiner Misere, sondern ist im Spiel nur ein Opfer der Intrigen Bismarcks. Auch wenn das nicht so sehr in den Fokus rückt, so ist es doch eine relativ negative Darstellung Bismarcks, die man in anderen Videospielen eigentlich nicht findet.

Ende gut, alles gut

Im letzten Kapitel wird die Oper schließlich aufgeführt und kann ihre Wirkung entfalten: Von Glover und der mittlerweile ebenfalls infizierte Gabriel sind anwesend und durch die „Magie“ der Oper verwandeln sie sich beide während der Vorführung in Werwölfe. Nach einer kurzen Jagd wird der Fluch schließlich dadurch gebrochen, dass von Glover in einem Heizofen verbrannt wird. Eine interessante Metapher, wenn man bedenkt, dass es in der frühen Neuzeit Werwolfprozesse gab, in welchen „überführte“ Werwölfe auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurden. Im Spiel wird nun ein „echter“ Werwolf seiner Strafe überführt und der Fluch wird damit gebrochen. Ob Ludwig nach dessen Tod nun Ruhe findet, wird aber nicht mehr aufgeklärt. Dafür endet das Spiel mit einem romantischen Ausblick von Gabriel und Grace auf einer Brücke. Und somit endet diese wilde Reise in Ludwigs dunkle Wolfsvergangenheit!

Insgesamt schafft es das Spiel, Ludwig als historische Person so weit es geht in das Spiel einzubauen und sich entweder an Fakten oder aber an “historischen Verschwörungstheorien” zu orientieren. Seine Amtszeit als König von Bayern, sein Bauen von großen Schlössern, seine Freundschaft zu Wagner oder die Konflikte um den Beitritt zum Deutschen Kaiserreich werden alle thematisiert. Ebenso können die im Spiel genannten Museen heute problemlos besucht werden (aber nicht nach versteckten Opern suchen!).

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Einen Ausflug wert: Das König Ludwig II.-Museum auf Schloss Herrenchiemsee

Dazu gesellen sich dann die klassischen Mythen um sein Leben, die durch die Dauer, in welcher sich Menschen darüber Gedanken machen, auch ihre Berechtigung als historische Bilder über Ludwig haben. War er verrückt oder nicht? War es Selbstmord oder wurde er getötet? Das Spiel erwähnt sogar durch “InGame-Historiker”, dass diese Mythen nicht nachgewiesen werden können, bis man selbst die nötigen Hinweise findet. Mit diesen fiktiven Quellen wird im Spiel Klarheit geschaffen und somit der normale Arbeitsweg eines Historikers aufgezeigt, wenngleich viele Klischees natürlich nicht fehlen dürfen. Aber dieses “Finden von wichtigen Hinweisen nach 5 Sekunden lesen” werden wir wohl nicht mehr los. Diese fiktiven Quellen sind es dann auch, welche dem Spiel die Erzählung zwischen Fiktion und Realität erleichtern. Wenn es nötig ist, fügt man eigene Ideen und Gedanken ein, ansonsten bedient man sich an der Realität (auch wenn sich hier und da mal kleine Ungenauigkeiten einschleichen). Somit entsteht ein Erzählfluss, welche es dem Spieler gut möglich macht, in die Spielwelt einzutauchen. Historische Fakten werden nicht als störendes Beiwerk verstanden, sondern als Möglichkeit, der Geschichte größere Tiefe zu geben. Sehr löblich!

 

Gabriel Knight II ist auch aus diesem Grund ein sehr unterhaltsames Point&Click-Adventure der 90er Jahre. Aber auch abseits von der Geschichte kann es vor allem durch seine teilweise unfreiwillig komischen Charaktere und Rätsel überzeugen. Wer es noch nicht gespielt hat und heute Abend nicht vorhat, um die Häuser zu ziehen und Süßigkeiten zu ergattern, kann es sich bei vielen online-Plattformen für wenig Geld herunterladen. Ansonsten verweise ich hier nochmal auf das Spiele mit Bart-Lets Play der Rocketbeans, welches man sich auch gemütlich vom Bett anschauen kann. Jetzt wünsche ich euch noch einen schaurigen Halloween-Abend mit dem Gedanken, dass wir in 100 Jahren dann eventuell ein Adventure sehen, in welchem der Werwolf nicht Ludwig II., sondern Uli Hoeneß oder Horst Seehofer ist…

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