Ernährung in Anno 1404

Ernährung in Anno 1404

„Das Essen ist eines der vier Zwecke des Daseins. Welches die drei anderen sind, darauf bin ich noch nicht gekommen.“ – Montesquieu

Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man meinen, dass der französische Schriftsteller Montesquieu begeisterter Anno-Spieler gewesen sei. Denn das Essen ist bei Anno 1404 eines von genau 4 Bedürfnissen, das erfüllt werden muss. Im Gegensatz zu Montesquieu kennen wir bei Anno aber die drei anderen Bedürfnisse, nämlich Getränke, Kleidung und Besitz. Essen ist jedoch das wichtigste dieser 4 Bedürfnisse, denn ohne feste Nahrung verhungert die Bevölkerung, während sie ohne die anderen drei überleben kann. Mag dies auch ein wenig komisch erscheinen, dass Essen alleine ausreicht, Trinken aber nicht, so hebt es doch noch einmal hervor: Die Versorgung mit Nahrung, hier bestehend ist in der Tat ein grundlegendes Element des Lebens. Wie in der Realität brauchen auch die Menschen in Anno 1404 eine gesicherte Versorgung mit Nahrung und Getränken, um zu überleben und auch um sich „weiterzuentwickeln“. Jede Zivilisationsstufe hat dabei ihre eigenen Wünsche, wobei höhere Stufen auch immer Nahrungsmittel der unteren Stufen verlangen. Während der einfache Bauer also mit Fisch und Most, der hier aus Äpfeln produziert wird, zufrieden ist, verlangt der Adelige später auch noch Wein und Fleisch. Die Nahrungsproduktion bildet einen elementaren Bestandteil des Spiels und vermittelt dem Spieler dadurch auch ein gewisses Bild von der Nahrungsversorgung im Spätmittelalter. Inwiefern dieses Bild nun historisch gesicherten Fakten entspricht oder warum nicht, ist das Thema dieses Blogeintrags: Welche Nahrungsmittel gab es im Spätmittelalter? Welche tauchen im Spiel auf und welche nicht? Für wen sind welche Nahrungsmittel gedacht? Bei diesen Fragen beschränke ich mich jedoch auf den Okzident, die Nahrungsmittel im Orient werden in einem späteren Blogeintrag noch behandelt! Viel Vergnügen beim Lesen und guten Appetit!

Fisch und Most – Die Bauern

Die Nahrungsbedürfnisse der Zivilisationsstufe Bauen bei Anno 1404 sind relativ einfach gestaltet. So geben sich diese alleine mit Fisch als Speise und Most als Getränk zufrieden. Besonders vielfältig ist dies jedoch nicht und geht wenig überraschend auch an der historischen Grundlage vorbei. Fische waren durchaus ein verbreitetes Nahrungsmittel für die unteren Schichten im Mittelalter, allerdings galt (damals wie heute!): Fisch ist nicht gleich Fisch. So war vor allem der Salzhering ein Fisch für die ärmere Bevölkerung der damaligen Zeit, während andere Fischarten wie bspw. Lachse eher von den oberen Schichten verzehrt wurden. Das Spiel suggeriert zwar, dass es einen Unterschied in Sachen Konsummenge gibt, aber leider nicht in der Art des Konsums. Die Bauern essen prinzipiell denselben Fisch, wie auch Adelige im späteren Spielverlauf.

Fischerei
Ein Fischer bei der Arbeit.

Auch ist der Fisch an sich als „typisches“ Bauernessen im Mittelalter natürlich nicht ganz korrekt, da vor allem Brei und Brot primäre Nahrungsmittel für diese Bevölkerungsgruppe waren. Aber dazu später bei der Brotproduktion mehr. Die Entscheidung für den Fisch als das Bauernnahrungsmittel dürfte daher aus spielerischen Gründen gefallen sein: da jedes Annospiel damit beginnt, an einer Inselküste einen Kontor zu errichten und von da aus langsam eine größere Stadt aufzubauen, brauchte man eben eine Ressource, die keine lange Produktionskette benötigt und sich auch universell abbauen lässt. Und was bietet sich da besser an, als Fische aus einer Fischerei? Interessant ist dies auch im Hinblick auf die weitere Spielentwicklung: weil man zum Aufstieg der Bauern zu Bürgern eine Kirche bauen muss, macht es insofern Sinn,  Fisch als optimales Gericht für viele kirchliche Gebote galt.

Sehr ähnlich verhält es sich bei den Getränken. Natürlich haben Bauern im Spätmittelalter nicht nur bei sich gesessen und einen Krug Most nach dem anderen getrunken. Aber – wie auch bei Fisch – sind Getränke auf Basis von Früchten tatsächlich ein wichtiger Bestandteil mittelalterlicher Ernäherung gewesen. Die anderen Getränke stellen sich hier vor allem als Wasser und Milch heraus, welche aber im Spiel (jedenfalls auf Seiten des Okzidents) keine weitere Erwähung finden, dazu noch das Bier, welches aber auch später noch auftauchen wird. Der Most, welcher hier im Spiel produziert wird, ist Apfelmost und nur eine Form von verschiedenen Mostsorten, welche man im Mittelalter produziert hat (u.A. gab es noch Trauben- oder Birnenmost). Solche Gärfruchtgetränke sind durchaus beliebte Getränke für die unteren Schichten gewesen, was vor allem an der relativ billigen Produktionsweise lag: denn man brauchte außer der jeweiligen Früchte keine weiteren Rohstoffe. Auch im Spiel selbst wird der Most mit nur einem Gebäude produziert, wodurch man spielerisch den relativ einfachen Produkitonsvorgang hervorheben kann. Warum man sich jetzt aber für Most anstatt Wasser oder Milch entschieden hat, kann man wohl auch wieder spielerisch begründen.

Mostfarm
Eine Mostfarm in Anno 1404

Wasser als Rohstoffe hätte entweder Flüsse gebraucht, um daraus wirklich eine Produktionskette zu machen, oder einen Brunnen, welcher aber nicht wirklich als Produktionsstätte gelten kann. Zusätzlich kann man noch erwähnen, dass der Verzehr von Wasser zur damaligen Zeit nicht ungefährlich war, da „reines“ Brunnen oder Fluswasser eine Vielzahl von Keimen enthielt. Daher bevorzugte man die in Anno existierenden Getränke wie Bier oder Most, denn durch den Alkoholgehalt waren sie sicherer für die Gesundheit. Hätte man Wasser nun als Getränk im Spiel, würde es so wirken, als hätte man es wie Bier oder Most problemlos konsumiert, was nicht der Fall war. Milch hingegen lässt sich zwar produzieren, ist aber ein Rohstoff, welcher nur vom Orient verwendet werden kann, kein Bauern oder sontiger Okzident-Bewohner in Anno 1404 wird jemals einen Schluck davon trinken. Insofern bleibt nur der Most übrig und sorgt für eine trinkfeste Bevölkerung in Anno 1404!

Die Würze des Lebens – Bürger

Während auch die Bürger ihren Durst vollständig mit Most stillen, tritt auf der Nahrungsseite ein weiteres Gut dazu: Gewürze! Auf dem ersten Blick mag dies ein wenig merkwürdig wirken, da man Gewürze ja nicht als klassisches Nahrungsmittel, sondern eher als Zutat sehen würde. Auch heute zählen, laut Lebensmittelbasisverordnung, „alle Stoffe, (…) die dem Lebensmittel bei seiner Herstellung Be- oder Verarbeitung absichtlich zugesetzt werden“ zu den Lebensmitteln. So also auch die Gewürze. Jedoch kann man sich die Frage stellen, wieso die Bürger nun nicht nach etwas festerem verlangen, sondern nur eine „Zutat“ wollen. Spielerisch gesehen dient dieser Schritt vor allem dafür, den Spieler den Orient entdecken zu lassen, um im Spiel vorankommen zu können. Nur mit dem Gewürzen aus dem Orient können sich auch die Bürger des Okzidents zur nächsten Stufe entwickeln.

Gewürze
Eine Gewürzfarm im Orient.

Also steht auch hier die Historizität hinter dem spielerischen Element zurück. Denn Gewürze waren zur damaligen Zeit eine teure Handelsware, welche sich nur Kaufleute oder Adelige leisten konnten. Verwendet wurden sie dann zur Saucenherstellung oder als Fleischbeilagen. Allerdings gibt es ein Gewürz, welches damals auch für Bürger durchaus erschwinglich war, nämlich Pfeffer. Durch die relativ großen Mengen, welche man nach Europa imporiterte, entwickelte sich für manche Kaufleute (etwa um 1600) auf diesem Wege der Begriff Pfeffersack. Und wenn man jemanden nicht leiden konnte, wollte man ihn dahin schicken, wo der Pfeffer wächst (sprich: weit weg aus Europa)! Da die Gewürze vom Spiel aus nicht weiter differenziert werden und das Spiel durch das Symbol mit verschiedenen Gewürzhaufen aber suggeriert, dass Gewürze generell eine Ressource für Bürger waren, möchte ich hier auch noch einmal eine kleine Differenzierung vornehmen: neben Pfeffer waren vor allem Safran oder Vanille wertvolle Handelsgüter, ebenso Kardamom und Zimt. Diese waren im Vergleich zum Pfeffer jedoch etwas seltener und damit auch teurer.

Brot und Bier – Die Patrizier

Die dritte Zivilisationsstufe des Okzidents bringt nun zwei weitere Nahrungsmittel auf die Speisekarte: Brot zum Essen und Bier zum Trinken. Allen voran beim Brot lohnt es sich, mal einen genaueren Blick auf die historische Wirklichkeit zu werfen. Wie schon im Kapitel über die Bauern erwähnt, gehörte Brot im Spätmittelalter zwar zu einer der Hauptnahrungsquellen der Bevölkerung. Allerdings muss man diese Aussage noch ein wenig spezifizieren, denn damals wie heute galt: Brot ist nicht gleich Brot! Der damals verbreitete Spruch „Je ärmer das Volk, desto schwärzer das Brot“ bezieht sich vor allem auf das Getreide, welches man für das jeweilige Brot gebraucht hat. Die am meisten gebrauchten Getreidesorten waren Roggen und Weizen, wobei das Roggenbrot eher für die ärmere Bevölkerung erschwinglich war, während Weizen fast schon als Luxusgut galt und Weizenbrot dementsprechend teuer war. Daraus folgt auch der damalige Spitzname „Herrenbrot“. Wurde Nahrung zuvor noch wenig spezifiziert, so legt sich das Spiel beim Getreide klar fest. Denn das Brot wird in Anno 1404 ausschließlich aus Weizenmehl gebacken. Da man die Patrizier als vorletzte Zivilisationsstufe auch als wohlhabenden Teil der Bevölkerung ansehen kann, macht das Spiel hier also historisch gesehen alles richtig: das Herrenbrot ist auch nur für Herren gedacht! Also für jene, die es sich auch leisten können. Roggen oder andere Getreidesorten tauchen im Spiel nicht auf, was aber, wie schon zuvor erwähnt, auch mit spielerischen Elementen zu tun hat. Denn sonst müsste man auch schon für die einfachen Bauern komplexe Produktionsketten entwerfen. Zudem würde eine zweifache Getreideproduktion merkwrüdig wirken und spielerisch eher redundant, als sinnvoll sein.

Aus demselben Weizen, aus welchem man das Brot herstellt, wird dann (zusammen mit Hopfen) auch Bier hergestellt. Und damals (wie heute) gehörte dieses auch zu den grundlegenden Nahrungsmitteln. Über Bier selbst könnte man schon ein ganzes Geschichtsbuch anfertigen, da es wohl schon von den Babyloniern erfunden und getrunken wurde und bis heute die Gaumen vieler Menschen erfreut. Im Frühmittelalter waren vor allem die Klöster die Bierproduzenten, erst im Laufe des Hochmittelalters verschob sich die Produktion in Brauereien. Im Spiel hat man nun aus beiden Elementen eins gemacht: die Klosterbrauerei produziert das Bier. Ein Gebäude, welches kein eigenständiges Kloster ist (im Spiel hat daher auch keine spirituelle Funktion wie bspw. eine Kirche), aber eben auch keine typische Brauerei.

Bierproduktion
Eine Produktionskette für Bier: links wird Getreide, rechts Kräuter produziert.

Tatsächlich gibt es dafür aber auch historische Vorbilder, denn viele Klöster haben ihr Bier in extra gebauten Mälzereigebäuden hergestellt. Solche Gebäude kann man vor allem in Bayern auch heute noch besichtigen. Produziert wird das Bier aus dem schon vorher erwähnten Weizen und Kräutern, also nicht aus Hopfen (wie bspw. In Anno 1701). Auch hier liegt eine historische Tatsache zu Grunde, denn die großflächige Bierproduktion mit Hopfen setzt erst im 16. Jahrhundert ein, also gut 100 Jahre nach dem Jahr 1404. Zuvor wurden verschiedene Kräutermischungen verwendet, von denen die bekanntesten Gagel und Grut sein dürften. Diese sorgten ebenfalls dafür, dass das Bier der damaligen Zeit wohl nicht so alkoholisch wie unser heutiges Bier gewesen ist. Insofern kann man auch hier einen historischen Bezug zur Realität herstellen, der beim Sprung von Anno 1701 zu Anno 1404 umgesetzt wurde: während 1701 schon mit Hopfen gebraut wurde, wurden 1404 noch Kräutermischungen verwendet. Und wie viel Bier wurde damals im Schnitt getrunken? In Köln schätzt man den Bierkonsum dieser Zeit auf bis zu 295 Liter pro Kopf, was aber im Hinblick auf die Trinkwassersituation (s.o.) nicht so verwunderlich ist. Prost!

Fleisch und Wein – Der Adel

In der höchsten Zivilisationsstufe wird dann noch einmal ordentlich aufgetischt, denn es kommt Fleisch als neue Mahlzeit und Wein als neues Getränk auf die Speisekarte. Zum Fleisch ist zu sagen, dass das Spiel die Fleischart auch hier genauer definiert, denn das Fleisch kommt von einer Rinderfarm, also handelt es sich um Rindfleisch. Historisch gesehen ist es erst mal korrekt, „Fleisch“ erst jetzt in das Spiel einzubinden (Fleisch ist hier in „“ gesetzt, da es ja eigentlich schon Fisch gibt, dieser aber aufgrund der Produktionsumstände nicht auf eine Stufe mit Fleisch vom Land zu stellen ist). Denn Rindfleisch war damals eher ein Wohlstandsessen, welches auch nur für reiche Bürger oder den Adel erschwinglich war. Im Vergleich zu Schweinefleisch oder Geflügel war der Platz- und Arbeitsaufwand für Rinder nämlich weitaus größer, was auch die Produktionskosten erhöhte.

kuhfarm
Rindfleisch frisch vom Land

Zumal Rinder auch zu anderen Zwecken wie z.B. der Milchproduktion oder dem Lastentransport genutzt werden konnte. Deshalb bewegt sich das Spiel auch in diesem Aspekt nah an der historischen Realität, auch wenn der vorherige Verzicht auf Fleisch nicht ganz korrekt ist. Denn ganz fleischlos haben sich die unteren Schichten im Spätmittelalter auch nicht ernährt: Das vorher erwähnte Geflügelfleisch kann hier als Hauptnahrungsquelle genannt werden. Aber auch dieses ist hier wohl den Spielelementen zum Opfer gefallen, um nicht noch eine Produktionskette in das sowieso schon komplexe Spiel einzubinden. Eine zwar geringe Rolle in der Ernährung, aber für die adeligen Schichten nicht weniger unwichtig, war das Wildfleisch. Schon im Frühmittelalter ließ man das Bejagen von Wildtieren als Privileg des Adels festlegen, wodurch auch nur dieser Zugriff auf deren Fleisch hatte. Interessant ist nun, dass Anno 1404 Wildfleisch zwar nicht als Ressource im Spiel implementiert hat, Jäger aber trotzdem für den Adel Teil einer Produktionskette sind: Pelze! Die Pelze stammen jedoch von Bären, Hirsche und anderes Getier müssen im Spiel also keine Angst vor den Jägern haben. Auch hier wollte man das Spiel wohl nicht noch komplexer machen, als es sowieso schon ist. Auch sei erwähnt, dass sich in dieser Produktionskette das einzige Mal Salz als Teil einer Nahrungsproduktionskette wiederfindet, nämlich um das Rindfleisch zu pökeln.

Der Wein wird bei Anno aus Weintrauben und Fässern hergestellt. Die Fässer dienen hier natürlich nicht als Zutat des Weins, sondern sollen zum einen als Aufbewahrungsmittel genutzt werden, zum anderen aber auch die Produktionskette anspruchsvoller gestalten. Spielerisch gesehen befindet man sich bei der Weinproduktion in der Endphase des Spiels und dort sollten die Produktionsketten dann auch ein wenig komplexer sein, als nur ein Gebäude. Ansonsten müsste man sich ja auch die Frage stellen, woher die Menschen in der Anno-Welt ihre Krüge für Most und Bier haben. Wobei es gar nicht so unhistorisch ist, weil viele Bauern die Krüge für die einfachen Getränke selbst hergstellt haben. Wein selbst ist dann auch eher ein Getränk für den Adel gewesen, allerdings hatte die Weinproduktion im Hochmittelalter so sehr an Bedeutung gewonnen, dass auch untere Bevölkerungsschichten in dessen Genuss kommen konnten.

Weingut
Ein Weingut in Anno 1404

Hierzu sei aber gesagt, dass der Wein damals sehr viele unterschiedliche Abstufungen hatte. Denn Trauben wurden mehrfach gepresst, woraus qualitativ unterschiedliche Weine entstanden: während der Wein der ersten Pressung teuer war, wurden Weine von Zweit- oder Drittpressungen mit Wasser gestreckt und waren somit auch für die ärmere Bevölkerung erschwinglich. Die bekanntesten Weine zu dieser Zeit dürften die Burgunder aus der gleichnamigen Region in Frankreich gewesen sein, welche sich aber meistens nur Adelige kaufen konnten. Insofern schließt sich der Kreis und wir sind wieder bei den Adeligen in Anno 1404 angekommen. Heinze erwähnt an dieser Stelle ebenfalls, dass Wein und Fleisch wohl bewusst an die Vorstellung eines Burgfestes mit großer Rittersessen erinnern sollen und deshalb als Nahrungsmittel der „höchsten Stufe“ im Spiel präsentiert werden.

Was fehlt…?

Nachdem wir uns nun einmal die Nahrungsmittel der Bewohner der Anno-Welt angeschaut haben, stellt sich natürlich noch die Frage, welche weiteren Nahrungsmittel zur Vollständigkeit hier noch erwähnt werden sollten, die es aber nicht in das Spiel geschafft haben. Bei den Getränken hatte ich das Wasser schon im ersten Kapitel erwähnt, ansonsten stellen daneben Bier, Milch und Most eigentlich einen großen Teil der mittelalterlichen Trinkkultur dar. Wein spielte eher in den oberen Schichten eine Rolle, wird aber vom Spiel auch nicht vernachlässigt. Sicherlich gibt es noch viele verschiedene Untersorten, aber die können in einem so weitläufigen Spiel kaum alle untergebracht werden. Ein Getränk, welches noch erwähnt werden sollte, ist der Met. Ein damals aus Honig und Getreide hergestelltes Getränk, welches vor allem in Nordeuropa sehr beliebt war. Durch das größere Aufkommen der Bierproduktion verlor er aber an Bedeutung und spielte im Spätmittelalter keine größere Rolle mehr, sodass es auch in Anno 1404 nicht auftaucht. Interessanterweise wären die Rohstoffe dafür vorhanden: Getreide wird, wie zuvor erwähnt, ja auch für andere Produktionsketten benötigt. Auch gibt es im Spiel den Imker, dieser wird aber nur zur Produktion von Bienenwachs gebraucht wird, um daraus Kerzen zu machen. Honig wird hier interessanterweise gar nicht produziert.

honig
Der Imker bei Anno 1404 kommt seinem eigentlichen Beruf gar nicht nach

Damals aus dem Orient oder anderen Gegenden importierte Getränke wie Kakao oder Kaffee gab es um 1404 zwar auch schon, aber erst in der frühen Neuzeit konnten sich diese Getränke auch im Okzident etablieren. Kaffee existiert zwar im Spiel, wird aber, wie die Milch, nur im Orient konsumiert.

Interessanter ist da schon der Blick auf die Speisen, denn dort fehlt ein grundlegendes Nahrungsmittel des Mittelalters komplett: Gemüse! Denn Gemüse wird vom Spiel in keinster Weise aufgegriffen, obwohl man davon ausgehen kann, dass es neben Brot und Brei als „bäuerliches Grundnahrungsmittel“ des Mittelalter gelten konnte. Über die Gründe lässt sich wohl nur spekulieren und sie dürften wieder mit der Spielmechanik zu tun haben: denn die Gewürze sind es wohl, welche einen Einzug des Gemüses in das Spiel verhindert haben. In der Bauernphase fängt man mit Fisch an, welcher durch eine Fischerhütte produziert wird, dazu kommt der Most aus dem Mosthof. Eine dritte Produktionskette wäre für die erste Stufe des Bevölkerungssystems wohl zu viel gewesen und vor allem zu ähnlich. Denn Gemüse hätte wie Most keine weitere Produktionskette gebraucht und ein einzelner Gemüsegarten wäre dem Mosthof wohl zu ähnlich gewesen. Außerdem hätte man dann in der ersten Phase 3 Nahrungsmittel, während in der zweiten Phase mit den Gewürzen nur eine dazu gekommen wäre. Da sich das Spiel in dieser Phase auf das Entdecken des Orients konzentriert und Gewürze die treibende Kraft dahinter sind, hat man sich hier wohl entschieden, den Okzident nicht ganz so zu füllen, damit der Spieler sich in Ruhe dem neuen Spielelement „Orient“ widmen kann. Erst in der Patrizierphase kommen mehrere und auch komplexere Produktionsketten hinzu (siehe Brot und Bier), in welche die Einfachheit einer Gemüseproduktion nicht mehr hineingepasst hätte. Zumal es dann ja auch wieder historisch falsch gewesen wäre, wenn nur Patrizier und Adelige Gemüse, bzw. Bürger zwar Gewürze, aber kein Gemüse gegessen hätten. Aus diesem Grund hat es das Gemüse wohl nicht in das Spiel geschafft. Auch würde das Spiel ja so implizieren, dass es im Mittelalter den Beruf des Gemüsebauers gegeben hätte, was nicht der Fall war. Denn das meiste Gemüse stammte aus dem eigenen Garten. Und tatsächlich: Die Gebäude der Bürger haben sogar einen kleinen Gemüsegarten im Modell, sodass das Gemüse immerhin ein Cameo haben darf!

Gemüsegarten
Ein wenig versteckt, aber doch vorhanden: Gemüsegärten!

Fazit

Die Nahrung in der Welt von Anno 1404 orientiert sich lose an der historischen Realität. Viele Grundzüge werden aufgegriffen und in die Spielmechanik integriert, auch wenn Nahrungsmittel oft nicht weiter spezifiziert werden (und der Fisch eben „Fisch“ bleibt). Die Nahrungsmittel selbst passen durchaus auf eine mittelalter Speisekarte, auch wenn hier einige Sachen zugunsten der Spielmechanik vertauscht wurden. Gewürze kommen im Spiel vor den Getreideerzeugnissen Bier und Brot, damit der Spieler den Orient auch schnell genug entdeckt, während Gewürze in der Wirklichkeit mehr wert als Bier oder Brot waren. Gemüse als ein Teil der mittelalterlichen Grundnahrung fehlt dafür fast komplett, lediglich optisch ist es in den Gebäuden der Bürger vorhanden. Auch der endgültige Speiseplan der Adeligen bei Anno 1404 zeigt ein falsches Verhältnis, weil 2 „pflanzlichen“ Produkten (Gewürze und Brot) mit Fisch und Fleisch zwei fleischliche Produkte gegenüberstehen. Daraus jetzt ein 1:1-Verhältnis von Fleisch und anderen Nahrungsmitteln zu machen, ist ebenfalls nicht korrekt. Denn im Spätmittelalter vermutet man einen Fleischkonsum von 60-80 kg pro Person, während man alleine Getreideprodukte auf 120-150 kg pro Person schätzt, die fehlenden pflanzlichen Produkte noch nicht eingerechnet. Aber auch ein Montesquieu hätte als Adliger unter diesen Bedingungen wohl gerne in der Anno-Welt gelebt und das Essen wäre für ihn wohl immer noch einer der vier Zwecke des Daseins. Viele andere Sachen gibt es für Adelige in Anno 1404 dann aber auch nicht zu tun. Außer Steuern zahlen und ob das Montesquieu so viel Spass gemacht hätte, steht dann wieder auf einem anderen Blatt.

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