Deutschland in Civilization – Teil 1

And the winner is… Friedrich Barbarossa! Der rotbärtige Stauferkönig aus dem Mittelalter wird im neusten Teil von Civilization zum ersten Mal die Ehre haben, Deutschland zu repräsentieren. Damit reiht er sich in eine Liste großer Namen ein, welche vor ihm bereits diese Ehre hatten: Friedrich der Große, Barbarossas Enkel Friedrich II., Maria Theresia und Otto von Bismarck. Auch wenn all diese Persönlichkeiten zu unterschiedlichen Jahren (bzw. Jahrhunderten) regiert haben, so eint sie doch ihre relativ große Bedeutung für die deutsche Geschichte. Und hier stellt sich bezüglich des Spiels ja die Frage, inwiefern man diese verschiedenen Herrscher auch individuell im jeweiligen Spiel darstellen kann. Aktiv hat man eigentlich erst ab dem dritten Teil versucht, die verschiedenen Völker durch kleine Unterschiede in der Spielmechanik hervorzuheben. Natürlich galt das nicht primär dafür, auf historische oder kulturelle Besonderheiten hinweisen zu können, sondern diente mehr der spielerischen Vielfalt. Aber man versuchte hier, beides zu kombinieren und stattete Völker mit eigenen „Charaktermerkmalen“ aus, in Teil 4 und 5 wurden der Individualisierung noch weitere Aspekte hinzugefügt. So hatte man am Ende genügend Zivilisationen, die sich vom Prinzip der gleich spielten, aber kleine Unterschiede zueinander hatten. Und genau diese Unterschiede wollen wir uns jetzt einmal angucken. Denn das Spiel versucht dabei ja auch, auf historische Aspekte einzugehen. Dabei muss man sich aber auf wenige konzentrieren, wodurch wiederum ein Geschichtsbild der jeweiligen Nation erzeugt wird. Im heutigen Blogeintrag schauen wir uns also an, wie diese Auswahl aussieht: Welche Herrscher durften Deutschland im Spiel repräsentieren? Welche Boni hatten sie? Welche besonderen Einheiten konnte nur Deutschland bauen? Zuletzt kann man dann einen Blick darauf werfen, ob Barbarossa in Civilization VI sogar einer gewissen Tradition folgt. Jetzt aber rein in den Text und viel Spass beim Lesen!

Könige und Kanzler

Insgesamt gab es vor Civilization VI also 4 Herrscher für Deutschland. Friedrich der Große war der erste, denn er war das deutsche Staatsoberhaupt in Civilization I. In Civilization IV war er ebenfalls spielbar. Maria Theresia und Friedrich II. konnten in Civilization II ausgewählt werden, hier gab es die Besonderheit, dass es für jede Zivilisation ein männliches und ein weiblichen Staatsoberhaupt gab. Otto von Bismarck stand seit Civilization III bereit, in Civilization IV teilte er sich den Platz mit Friedrich dem Großen: Auch dort gab es zwei Staatsoberhäupter für Deutschland. Rein zahlenmäßig gewinnt Bismarck dann auch das Rennen: Er war 3 mal das deutsche Gesicht bei Civilization, Friedrich der Große zweimal und Friedrich II. zusammen mit Maria Theresia einmal.

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Bitte lächeln! Rekordhalter Bismarck in Civ 4

Wobei die einzige Dame in der Runde in Civilization V enthalten war: Nur nicht für Deutschland, sondern für Österreich. Viele dürften sie auch eher mit dem Hause Habsburg und Österreich verbinden, aber durch die selbst auferlegte Frauenquote im zweiten Teil blieb nicht mehr viel übrig. Da ihr Mann von 1745 bis 1765 römisch-deutscher Kaiser war und sie dadurch auch den Titel „Kaiserin“ bekam, gibt es sicherlich eine Legitimation für diese Auswahl, auch wenn sie sehr konstruiert ist. Weltpolitisch gesehen gibt es einfach keine Alternative, denn die einzige wirkliche Regierungschefin eines deutschen Staates ist die amtierende: Angela Merkel. Bei den anderen Namen passt es schon eher: Friedrich der Große war ab 1740 König in (und ab 1772 König von) Preußen, bis zu seinem Tod 1789. Seine Regierung war vom Dualismus zwischen Preußen und Österreich bestimmt: beide stritten miteinander um die Vorherrschaft in den deutschen Gebieten. Zeitlich gesehen überschnitten sich somit die Regierungszeiten vom Preußen Friedrich und der Österreicherin Maria sogar, daher wäre es doch interessant gewesen, Friedrich als Gegenpart zu ihr in Civilization II einzubringen. Da die deutsche Geschichte in der Neuzeit vor allem durch die preußische Geschichte geprägt ist, macht ein preußischer König viel Sinn. Auch wenn man Preußen mit „Deutschland“ nicht 1:1 gleichsetzen kann. Friedrich galt nicht nur zur damaligen Zeit als große Persönlichkeit (der Beiname „der Große“ kommt nicht ohne Grund!), sondern ist auch heute noch im Geschichtsbewusstsein der Deutschen verankert. Das konnte man zuletzt 2012 sehen, als es einen offiziellen Festakt zu seinem 300. Geburtstag gab.

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So fing es an: Friedrich der Große in Civ 1

Sein Namensbruder, Stauferkönig Friedrich II, ist (bis zu Barbarossa) der „älteste“ Herrscher für Deutschland. Er trug seit 1212 den Titel „römisch-deutscher König“ und seit 1220 durfte er sich ebenfalls Kaiser nennen. Knapp 38 Jahre regierte er das heilige römische Reich deutscher Nation, bis er 1250 starb. Von diesen 38 Jahren hielt er sich tatsächlich weniger als die Hälfte auch in Deutschland auf, 28 Jahre verbrachte er in Italien oder genauer gesagt: auf Sizilien. Die meisten seiner Leistungen waren innere Reformen, dazu hatte er immer Konflikte mit der Kirche und dem Vatikan, auch wenn er 1228/29 einen erfolgreichen Kreuzzug nach Jerusalem führte. Was ihn aber im Geschichtsbewusstsein der deutschen Geschichte festhält, ist seine Stellung, als letzter großer König aus dem Geschlecht der Staufer. Unter seinen Nachfolgern zerfiel das Reich und damit auch der Name dieses so berühmten Geschlechts. Hier kann man sich nun die Frage stelle, wieso man ihn nun in das Spiel genommen hat und nicht bspw. gleich Barbarossa. Eventuell liegt es daran, dass er mehr für seine inneren Reformen bekannt war, also für seine militärischen Aktionen. Bei Barbarossa standen vor allem militärische Konflikte im Vordergrund. Ich werde im nächsten Absatz darauf eingehen, inwiefern dies eine Rolle gespielt haben könnte.

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Deutsches Traumpaar in Civ 2: Friedrich II. und Maria Theresia

Vorher aber noch zum letzten Anführer und „Rekordhalter“ bei Civilization: Otto von Bismarck. Seine drei Auftritte als deutscher Herrscher kommen nicht ohne Grund: Er führte von 1864 bis 1871 drei Einigungskriege, um das zersplitterte Deutschland erfolgreich zu einen. Somit gab es ab 1871 zum ersten Mal ein wirklich geeintes Deutschland. Dessen Geschicke sollte er dann noch gut 19 Jahre lenken, bis er 1890 (nicht ganz freiwillig) zurücktritt. Dabei gelang es ihm vor allem durch geschickte Außenpolitik, Deutschland einen Platz unter den europäischen Großmächten zu sichern. All diese Taten dürften auch der Grund für seine Bewunderung sein, noch heute sind ihm zahlreiche Denkmäler gewidmet, genauso wie es Bismarck-Schulen oder ähnliches gibt. Und gerade der Punkt, dass Bismarck die Regierung eines geeinten Deutschlands (und nicht von Preußen, Österreich oder einem römischen Reich „deutscher Nation“) geleitet hat, dürfte ihn als Anführer für ein solches Spiel qualifizieren. Im Endeffekt haben also alle Vertreter eine gewisse Legitimation, wobei Friedrich der Große und Bismarck schon hervorstechen, was sich auch durch das mehrmalige Auftreten beider zeigt. Nun gucken wir aber ein wenig genauer auf die unterschiedlichen Boni, die in den jeweiligen Spieler mit den Anführern verbunden sind.

Dichter und Denker?

In den ersten beiden Teilen von Civilization stellt sich die Frage, wie man Deutschland anhand der Boni darstellt, noch nicht so schwierig dar. Die Antwort ist nämlich: gar nicht. Jedenfalls nicht, wenn man sie selbst spielt. Bis auf formelle Sachen (wie eben die Auswahl des Anführers) spielen sich alle Nationen gleich. Trotzdem gibt es einen Unterschied bei all den Nationen und der liegt darin, wie sie von der KI gespielt werden. Sprich: wie man sie wahrnimmt, wenn sie von einem Computerspieler gespielt werden. Dort gibt es drei Kategorien: Aggressivität, Entwicklungsverhalten und Militarismus. Diese können nun Werte zwischen 0 und 2 haben, was das Verhalten bestimmt. Eine Zivilisation mit einer 0 bei Aggressivität wird also wenig Einheiten bauen und Konflikte eher diplomatisch lösen wollen, während eine mit einer 2 den Krieg sogar anstrebt und mehr Einheiten als bspw. Produktionsgebäude bauen wird. Deutschland hat hier die folgenden Werte: Aggressivität: 2, Entwicklungsverhalten: 0, Militarismus: 0. Dies ist eine interessante Kombination: Die 2 bei Aggressivität sorgt für den oben genannten Fall: Deutschland breitet sich aggressiv aus, erklärt bei Konflikten schnell den Krieg und ist nachtragender als andere Zivilisationen. Die 0 bei Entwicklungsverhalten bedeutet, dass man eher wenig Städte bauen wird, welche aber gut ausgebaut sind. Klasse statt Masse ist hier das Motto. Die 0 bei Militarismus ist wiederum interessant: Durch sie wird Deutschland eher wenig Einheiten bauen, sondern mehr auf den Ausbau von Infrastruktur und die Entwicklung der Städte achten. Die Boni bei Civilization II heißen zwar ein wenig anders, funktionieren aber nach dem gleichen Prinzip. Wenn man das nun zusammenfasst, ist Deutschland in den ersten beiden Teilen ein aggressiver Staat, der aber eher auf wenig Städte und gute Infrastruktur setzt.

Dieses Bild setzt sich auch in Civilization III fort: dort werden den verschiedenen Zivilisationen sogenannte Attribute zugewiesen. Die auch spielerische Auswirkungen haben. Deutschland unter Bismarck hat hier die folgenden: Militärisch und Wissenschaftlich.

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Erster Auftritt: Bismarck in Civ III

Militärisch sorgt dafür, dass Militärgebäude schneller gebaut werden können. Auch brauchen Einheiten nur halb so viel Erfahrung, um befördert werden zu können. Wissenschaftlich verringert die Kosten für den Bau von Forschungsgebäuden (bspw. Bibliotheken), bringt dem Spieler bei jedem Epochenwechsel (zufällig) eine neue Technologie und erhöht die Chance, beim Erforschen einer neuen Technologie einen großen Wissenschaftler zu bekommen, auf 5% (statt der normalen 3%). Dazu gibt es auch für die KI-Spieler einen Wert, der die Aggressivität bestimmt. Deutschland hat hier mit 5 von 5 Punkten den Maximalwert, wird also sehr aggressiv vorgehen. Dies stellt auch die Kontinuität zu den ersten beiden Teilen dar: Deutschland hat das militärische und aggressive beibehalten. Neu ist der Forschungsvorteil, welcher den vorherigen Charakterzug ersetzt, bei welchem Deutschland eher wenig expandiert, dafür aber mehr ausgebaut hat.

Das Prinzip mit den Charaktermerkmalen wurde dann auch in Civilization IV übernommen, dort gab es für einige Nationen zwei Anführer. Eine dieser Nationen war auch Deutschland, wo neben Bismarck auch Friedrich der Große ein Comeback feiert. Beide unterscheiden sich deutlich in ihren Merkmalen: Während Bismarck Expansiv und Industriell ist, besitzt Friedrich die Merkmale Philosophisch und Organisiert. Kurz die Erklärung: Expansiv bedeutet, dass eine Zivilisation Bautrupps schneller bauen kann, mehr Gesundheit in den Städten hat und einige zivile Gebäude schneller bauen kann. Industriell lässt Weltwunder 50% schneller fertigstellen und ebenso das Gebäude Schmiede. Unter Bismarck übernimmt Deutschland also wieder ähnliche Eigenschaften wie in den ersten beiden Teilen: Bautrupps können schneller gebaut werden und das Land damit schneller modernisieren. Auch das Stadtwachstum ist aufgrund der zusätzlichen Gesundheit erst mal kein Problem. Weltwunder können je nach Spielweise gebaut werden, durch den Industriell-Bonus hat man auch bessere Chancen auf diese. Für diese doch sehr zivile Spielweise fällt aber die militärische Weg. Denn es gibt den Eigenschaft Militärisch im Spiel, allerdings bekommt Bismarck diese hier nicht. Und auch Friedrich besitzt sie nicht, seine beiden Eigenschaften bringen folgende Vorteile: Philosophisch erhöht die Geburtenrate von großen Persönlichkeiten um 100%, dazu lässt sie Universitäten schneller bauen. Organisiert spart 50% der Kosten für den Unterhalt der Staatsform, Leuchttürme und Gerichtsgebäude werden hier schneller gebaut. Im Gegensatz zu Bismarck konzentriert sich Deutschland unter Friedrich dem Großen auf Organisation und die dadurch größeren finanziellen Möglichkeiten, dazu kann man mehr mit großen Persönlichkeiten arbeiten. Wie die schnelleren Weltwunder bei Bismarck kann man dadurch seinen Spielstil gut anpassen. Während bei Friedrich dem Großen der Aspekt mit den großen Persönlichkeiten für Deutschland neu ist, könnte man Organisiert als Fortsetzung des KI-Charakters der ersten beiden Teile sehen. Denn der Staat kann das gesparte Geld nutzen, um so die Infrastruktur zu verbessern. Frei nach dem Motto: Aufbau geht vor Krieg.

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Feiert nach 2 Teilen Pause sein Comeback: Friedrich der  Große

Zuletzt bleibt dann noch Civilization V. Hier hat man eine neue Art von Boni eingeführt, denn jeder Charakter hat komplett eigene Vorteile bekommen. Und bei Bismarck sind diese dann wieder etwas militärischer: Landeinheiten kosten weniger Unterhalt, weiterhin kann der Kampf gegen Barbaren mit zusätzlichem Gold oder neuen Einheiten belohnt werden. Das sorgt für einen ziemlich deutlichen Unterschied zu den Vorgängern, denn Deutschland hat in diesem Teil einen rein militärischen Bonus. Man greift quasi auf den militärischen Bonus zurück, den Bismarck schon in Civilization III hatte. Eine nette Anspielung ist der Titel des Bonus, Furor teutonicus. Dies ist lateinisch für „teutonische Wut“ und wurde von Bismarck selbst in eine Rede verwendet. Dort spricht er von der Stärke eines geeinten Deutschlands, welche wie der „Furor teutonicus“ über Gegner herfallen könnte.

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Bismarck zum dritten, hier in Civ V

Zwischenfazit

Insgesamt stechen damit zwei Aspekte hervor: zum einen ist Deutschland in 4/5 Teilen explizit militätisch eingestellt. Als KI geht Deutschland aggressiv vor, als aktiver Spieler hat man Vorteile bei militärischer Spielweise (weniger Unterhalt, schnellere Militärgebäude, mehr Beförderungen etc.). Hier bezieht sich das Spiel auf die relativ militärisch geprägte Geschichte Deutschlands.

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Auf dem Weg in den Krieg: deutsche Panzer

Wie schon erwähnt war Preußen ein wichtiger Bestandteil deutscher Geschichte. Und dort spielte das Militär eine sehr große Rolle, auch im normalen gesellschaftlichen Leben. Nicht der Adel, sondern das Offizierskorps galt dort als „erster Stand“. Auch ansonsten waren militärische Vorstellungen und auch Regeln weit in der Bevölkerung verbreitet. Ganz zu schweigen von den Einigungskriegen oder den später vor allem von Deutschland begonnenen Weltkriegen im 20. Jhdt.. Eventuell liegt hier auch dein Grund für die durchgehend hohe Aggressivität, sofern Deutschland von der KI gespielt wird. Aber nicht nur die preußische Geschichte, sondern auch der Rest kommt ohne Krieg kaum aus. Sei es (vor allem im Mittelalter) mit Kriegen gegen äußere Feinde, oder auch Kriege zwischen den einzelnen Fürstentümern. Das Militär ist ein wichtiger Teil der deutschen Geschichte und wird deshalb auch zurecht so hervorgehoben.

Der andere Aspekt tritt lediglich in 3/5 Teilen auf, ist aber nicht weniger bedeutend: gute innere Infrastruktur. In den Teilen 1, 2 und 4 (unter Bismarck) setzt Deutschland auf konsequenten Ausbau der öffentlichen Infrastruktur und bevorzugt diesen Ausbau vor der Expansion. Historisch gesehen spielt man auf ein Bild an, welches man von Deutschland vor allem seit der Reichsgründung 1871 hat. Hier rief Bismarck selbiges als „saturierten“ Staat aus, welcher kein Interesse an Gebietserweiterungen (vor allem an Kolonien) hätte. Gleichzeitig versuchte er, dass neu geeinte Reich auch durch zentrale Wirtschaftsbehörden zu einigen. Dies war jedoch nicht so sehr von Erfolg gekrönt, die meisten Unternehmen konnten relativ frei wirtschaften. Deshalb kann man zu dieser Zeit zwar von einem industriellen Aufschwung sprechen, ein wirklicher Faktor war der damalige Regierungschef aber nicht. Anders sieht es schon bei Friedrich dem Großen aus: er sorgte aktiv dafür, dass die Wirtschaft in Preußen gestärkt wird, indem er Kolonisten aus anderen deutschen Staaten in Preußen ansiedelte. Dies brachte nicht nur neue Arbeitskräfte, sondern auch neues Know-How mit sich. Auch sonst wirkte er gezielt auf den Aufbau Preußens mit ein, oft aber auch militärisch. So besetzte er 1740 bspw. Schlesien, welches eine große Leinenproduktion hatte. Zu Friedrich II. und Maria Theresia gibt es dann weniger zu sagen, wie schon erwähnt war Friedrich mehr in Italien, als in Deutschland aktiv und seine Regierungszeit zeichnet sich durch andere Schwerpunkte aus, als für konsequenten Ausbau der Infrastruktur und Wirtschaft gewirkt zu haben. Maria Theresia kann man von Handeln schon eher in der Nähe bei Friedrich dem Großen einordnen (auch zeitlich!), aber wie Bismarck setzt sich primär für den Erhalt der Habsburger Besitzungen ein. Dies gelang ihr auch fast, lediglich Schlesien konnte sie nicht halten (Wer es wohl eroberte?). Dazu setzte sie sich für den Bau neue Manufrakturen ein. Das Bild des gut ausgebauten Deutschlands ist daher nicht ganz unzutreffend, aber aufgrund des lange Zeit vorherrschenden Föderalismus nur schwierig zu definieren. Sicherlich spiegeln diese Aspekte Deutschland nach 1871 sehr passend dar, aber davor kann man kaum von einer guten Infrastruktur in Deutschland sprechen, weil es eben aus vielen kleinen Staaten und Fürstentümern „bestand“. Und diese waren regional sehr unterschiedlich entwickelt.

Bleibt nur noch zwei kleine Aspekte: In Civilization III ist Deutschland unter Bismarck wissenschaftlich. Die Zuschreibung „Volk der Dichter und Denker“ kommt nicht von ungefähr, auch wenn sie zu Beginn des 19. Jhdts. eher als abwertende Äußerung für das deutsche Bildungsbürgertum gemeint war. Von dort aus verbreitete sie sich auch ins Ausland und es entwickelte sich ein Bild von Deutschland, in welchem sich eine große Anzahl von Intellektuellen aufhielt, die aber nichts mit der Politik zu tun haben wollten. Tatsächlich gilt aber gerade die deutsche Geschichte der Neuzeit in vielerlei Hinsicht als Hochphase der Wissenschaft. Klassik und Romantik haben hier ihren Ursprung, ebenso die vielen Erfindungen deutscher Forscher im 19. und 20. Jahrhundert. Aber nicht nur da, auch in anderen Phasen wurde in Deutschland viel geforscht, selbst einige Herrscher waren dem nicht ganz abgeneigt. Friedrich II. Bspw. interessierte sich sehr für die Förderung von Wissenschaft, gründete die Universität Neapel und schrieb selbst ein Buch über die Jagd mit Vögeln.

S/W Ver: 85.92.70R
Von Friedrich II. gegründet: Die Universität in Neapel

Auch Friedrich II. gilt als Vertreter des aufgeklärten Absolutismus, da er das Herrschen als König neu interpretierte: nicht mehr Gott setzt den König ein, sondern er ist „nur“ (oberster) Vertreter einer Staatsordnung. Damit verbunden waren auch andere Maßnahmen, um mehr Wissen in den Staat zu bringen: Die Abschaffung von religiösen Gesetzen wie z.B. Hexenverbrennung oder der Bau von mehr Schulen und Einführung der Schulpflicht. Zwar war es nicht sein primäres Ziel, „Bildung für alle“ zu schaffen, aber ein Aufschwung der Wissenschaft ging schon daher. Deshalb ist es nicht verkehrt, dass Deutschland einmal auch als wissenschaftliche Nation dargestellt wurde.

Mit Friedrich dem Großen hängt dann auch der andere Aspekt zusammen, denn in Civilization ist Deutschland unter ihm Philosophisch und Organisiert. Hier ist man nun weggegangen von einem „deutschen“ Charakter und hat die Merkmale mehr auf den Herrscher bezogen. Denn beide passen sehr gut zu Friedrich. Wie oben schon erwähnt, erforderte die Neuinterpretation als aufgeklärter Herrscher ein hohes Maß an philosophischem Verständnis. Generell sorgte das Zeitalter der Aufklärung für eine neue philosophische Grundhaltung (Vernunft als oberste Maxime) und Friedrich der Große als eines der Gesichter dieser Bewegung passt gut als Repräsentant. Auch das Organisiert kommt nicht von ungefähr, denn Friedrich führte zahlreiche Justizreformen durch. Dabei ging es ihm (ganz im Sinne der Aufklärung) um eine Humanisierung der Strafprozesse, Folter und Todesstrafe wurden weitestgehend eingeschränkt. Auch gab es viele Reformen, um den ländlichen Raum neu zu strukturieren. Eine der bekanntesten Maßnahmen dieser Art dürfte der Befehl gewesen sein, großflächig Kartoffeln anzubauen. Hier passen diese Merkmale also gut zu Friedrich dem Großen, gesamt gesehen aber eher weniger. Durch die zwei unterschiedlichen Herrscher in Civilization IV macht es aber Sinn, diese von der Spielweise möglichst unterschiedlichen zu gestalten.

Nachdem wir jetzt geguckt haben, will ich zum Abschluss (dieses Teils) kurz einen Blick darauf werfen, was Deutschland NICHT ist. Also welche Merkmale andere Zivilisationen haben, Deutschland aber in keinem Teil. Da wäre bspw. expansionistisch, in keinem Teil hat Deutschland die Eigenschaft, seine Grenzen schnell erweitern zu können (bzw. als KI zu wollen). Man zieht hier sehr viel aus dem berühmten „saturiert“ Bismarcks. Auch taucht nie ein religiöser Bonus auf, was anhand der Tatsache, dass mit Martin Luther einer der größten Kirchenreformer der Welt aus Deutschland kommt, verwunderlich ist.

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Spirituell und Expansionistisch in Civ 4 – also typisch undeutsch? Justinian I.

Aber eventuell geht dies auf die vielen Konflikte zwischen Kirche und Deutschland zurück, welche es im Mittelalter gab. Einen finanziellen Bonus gibt es ebenfalls nicht, was aus heutiger Sicht erstaunt. So ist Deutschland bei den führenden Volkswirtschaften immer vorne dabei. Auch historisch gesehen stand man nie wirklich schlecht da, aber andere Aspekte haben diesen wohl überlagert.

Kommen wir nun zum nächs… oder auch nicht! Denn hier ist erst mal Pause für heute, in 2 Wochen geht es mit dem zweiten Teil weiter. Dort werfen wir dann einen Blick auf die besonderen Einheiten und Gebäude der Deutschen, einen Deutschen, der noch gar nicht genannt wurde und auf Friedrich Barbarossa und „sein“ Deutschland in Civilization VI. Bis dann und allen, die es feiern, noch einen schönen Tag der deutschen Einheit. Darauf eine Kartoffel und ein Weizenbier. Aber nicht in Lederhosen…

einheitquiz
Die Mauer ist weg: einen schönen 3. Oktober!
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