Warum Geschichte Videospiele braucht… und andersherum!

Als Fußballspieler lebt es sich ganz angenehm. Sofern man einigermaßen mit dem Ball umgehen kann, reicht es auch schon, in einem eher mittelmäßigen Verein zu spielen, um gutes Geld zu verdienen. Heutzutage nimmt der Fußball auf vielen Ebenen genügend Gelder ein, um die relativ teuren Kader zu finanzieren: Sponsoren, Ticketverkäufe, Fernsehverträge. Man könnte jetzt einiges aufzählen, würde am Ende aber immer zu dem Ergebnis kommen, dass die Gelder eher mehr und nicht weniger werden. Aber nun ein kleines Gedankenspiel: Irgendwann platzt die Fußballblase und viele Fans wenden sich durch die Kommerzialisierung ab. Die Einschaltquoten sinken, die Stadien werden leerer und das generelle Interesse nimmt ab. Dadurch würde ein Dominoeffekt starten und am Ende hätte der Fußball einen Großteil seiner Aufmerksamkeit und seiner Möglichkeiten verloren. Worauf ich hinaus möchte: Der Fußball lebt von den Fans und dem großen Interesse am Sport, welches ihn interessant für Sponsoren und auch Politik macht. Und solange man kein Milliardär hat, der den Verein nur aus Eigeninteresse mit Geldern vollstopft (Hallo Paris!),  braucht der Fußball und brauchen diese Vereine die Aufmerksamkeit auch, um weiter professionell arbeiten zu können. Denn nur großes Interesse kann langfristig für dessen Erhalt sorgen. Und das gilt nicht nur für den Fußball, sondern auch für andere Themen wie z.B. die Geschichte bzw. die Geschichtsforschung. Am Ende des Tages muss auch die Geschichte versuchen, Menschen mit ihren Themen zu erreichen und Botschaften zu vermitteln, die aufgenommen werden. Sei es in Vorträgen, sei es in Debatten oder sei es in verschiedenen Medien. Historische Elemente müssen auch breite Massen ansprechen, um gesellschaftlich relevant zu bleiben. Und welches Mittel könnte dafür praktischer sein, als Videospiele? Deshalb will ich im heutigen Blogbeitrag ein wenig über die Symbiose zwischen Geschichte und Videospielen in der heutigen Gesellschaft schreiben, wie immer wünsche ich dabei viel Spass beim Lesen!

Im Wandel der Zeit

Das faszinierende an Geschichte ist, dass es so viele verschiedene Themen gibt, die jede Altersgruppe abdecken. Kinder erfreuen sich an Rittern und Prinzessinnen, während viele ältere Menschen die Zeitgeschichte für sich entdecken. Insofern ist Geschichte nicht so altersgebunden, wie andere Themen. Ein solches Spektrum bietet auf der anderen Seite wieder viele verschiedene Möglichkeiten der Darstellung, woraus man selbst wieder eine ganze Hausarbeit drüber schreiben könnte: Denn über die Menschheitsgeschichte hinweg haben die Menschen Geschichte weitergegeben, sei es in Büchern, Erzählungen oder Denkmälern in der Antike oder heutzutage in Film, Funk oder Computer. Jede Generation (oder sogar Epoche!) hat ihre eigenen Methoden der Geschichtsvermittlung und in unserer heutigen, digitalisierten Welt sind die Videospiele ein großer Teil davon.

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Bildergeschichten: Ägyptische Wandmalereien (um 1500 v.Chr.)

Mittlerweile kann sich jeder aussuchen, was er erleben möchte: eine römische Stadt bauen, durch mittelalterliche Welten laufen oder neuzeitliche Schlachten nachspielen. Auch wenn diese Welten am Ende natürlich auf das jeweilige Spiel zugeschnitten sind und sich ohne Zweifel „historische Freiheiten“ raus nehmen, ändert das nichts an der Wirkung, welches ein gutes Spiel beim Spieler erzielt: Er nimmt den historischen Gegenstand als interessant wahr und entwickelt dadurch eine positive Einstellung zur Geschichte als ganzem. Wenn der Spieler nun über diese positive Wahrnehmung hinaus auch noch das Interesse entwickelt, sich mehr mit dem jeweiligen Gegenstand zu befassen, ist wohl mehr getan, als es ein Großteil des Geschichtsunterrichts jemals erreichen könnte.

Was unter anderem auch für den Autor dieses Blogs gilt: Age of Empires I und II waren in meiner Kindheit meine absoluten Lieblingsspiele und haben mich eine sehr positive Einstellung zur Geschichte entwickeln lassen. Und daher sind sie ein großer Grund dafür gewesen, dass ich mich am Ende auch für ein Geschichtsstudium entschieden habe. Nicht direkt auf Geschichte bezogen, aber auf Latein meinte ein Dozent mal, dass Asterix für das Schulfach Latein mehr als jeder Lehrer getan hätte, indem die Comics nur durch ein paar lateinische Sätze (Veni, vidi, vici!) das Interesse auf die Sprache geweckt hätten. Denselben Effekt halte ich auch bei Videospielen für ziemlich wichtig, um historische Themen heutzutage im gesellschaftlichen Blickfeld zu halten. Vor allem für die junge Generation: Bücher, Fernseher und Radios werden immer weniger genutzt, Computer und Smartphones sind heutzutage die bevorzugten Medien. Wenn wir bei jungen Menschen das Interesse an Geschichte wecken wollen, kann das nur über Medien geschehen, die auch wirklich von dieser Zielgruppe genutzt werden. Und weil historische Videospiele aufgrund der vielen inhaltlichen Möglichkeiten sehr breit gefächert sein können, sollten wir versuchen, sie aktiv zu fördern.

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Quid? Kindergerechts Latein!

„Fördern“ meint hier übrigens nicht, ihnen eine vollkommen unkritische Sichtweise einzuräumen. Wenn wir sagen, dass Videospiele das Interesse für Geschichte wecken bzw. aufrecht erhalten sollen, dann muss klar sein, dass das der primäre Zweck ist und nicht die Wissensvermittlung. Videospiele können keine Lehrbücher oder ähnliches ersetzen. Und wer sich über ein Spiel hinaus informieren will, sollte das eventuell eher mit wissenschaftlicher Lektüre als mit der spieleigenen Enzyklopädie machen. Aber wenn ein Videospiel am Ende dafür sorgt, dass man sich allgemein die Frage stellt, wie es denn damals ausgesehen haben könnte, hat es schon einmal viel erreicht. Insofern bieten Videospiele eine große Chance, gerade bei der jüngeren Generation historische Themen aufrecht zu erhalten. Aber nicht nur Geschichte an sich profitiert von Videospielen, es geht auch andersherum…

Wie du mir, so ich dir!

Historische Themen gehören mittlerweile zum Standardsujet der Videospielbranche. Vor allem im Strategie-Genre wird die Geschichte oft herangezogen, um ein Spiel mit einer passenden Umgebung zu versehen. Was an sich auch Sinn macht: Für große Schlachten gibt es in der Geschichte genügend Beispiele, um welche man passende Spiele bauen kann. Die Total War-Serie hat sich daraus (über mehrere Epochen von der Antike bis zur Neuzeit!) einen Namen gemacht, Age of Empires lebt von den Feldzügen der jeweiligen Epochen. Hier werden die vorhanden historischen Geschichte von den Entwickelern dankend aufgenommen, um ein stimmiges Spiel zu entwerfen.

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Das Mittelalter hübsch verpackt: Age of Empires II

Aber nicht nur Strategiespiele, auch andere Genres wie Aufbausimulationen (Die Anno-Serie), Wirtschaftssimulationen (Die Gilde) oder auch Shooter (Call of Duty) nutzen oft gezielt historische Szenarien. Und das zeigt auch, wie sehr sich die Videospielbranche der Bedeutung von Geschichte bewusst ist. Dass die historischen Freiheiten von Spiel zu Spiel mal größer, mal kleiner sind, muss man nicht extra betonen. Aber die große Anzahl an erfolgreichen Videospielen mit historischen Bezug zeigt, wie groß das Interesse dafür wirklich ist. Insofern kann man hier von einer deutlichen Wechselwirkung sprechen, die Geschichte und Videospiele miteinander verbinden. Und diese braucht es auch, um der Geschichte in der heutigen Zeit noch den Platz einzuräumen, den sie sich verdient hat. Sei es für Entwickler, die dadurch gezielt weitere tolle historische Videospiele entwickeln. Sei es für Kinder und Schüler, die somit schon in jungen Jahren ein positives Bild von Geschichte entwickeln. Oder sei es für uns Historiker, die Spass an der Forschung (und dem Spielen!) von Videospielen haben. Auch wenn sich durch die Arbeit daran nicht ganz so viel verdienen lässt, wie im Profifußball…

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