Wer ist es? – Katharina von Medici

Wer ist es?

Catherine de Médici, oder zu deutsch: Katharina von Medici. Von 1547 bis 1559 Königin von Frankreich!

Wann regierte sie?

Wenig überraschend von 1547 bis 1559 an der Seite ihres Mannes Heinrich II. Nach dessen Tod übernahm sie für ihre drei Söhne (nacheinander!) als Königsmutter mal mehr, mal weniger die Regierungsgeschäfte wahr. Bis zu ihrem Tod 1589 war sie also eine sehr einflussreiche Person in Frankreich!

Was sind ihre Boni?

Katharinas Flugschwadron

Hinter diesem Begriff versteckt sich mehr, als man zuerst bedenken mag. Erst einmal hat es nichts mit einer besonderen Luftwaffe des französischen Heeres zu tun, dafür hat die gute Katharina auch ein wenig zu früh gelebt. Mit diesem Titel sind nämlich keine Flugzeuge gemeint, sondern Damen am französischen Hof. Katharina veranstaltete oft große Feiern, bei welchen ihre Damen dann „ausschwärmen“ und aus den Diplomaten und Staatsmännern durch… ihren Charme Informationen gewinnen sollten. Im Jahr 1577 soll sie ihre Damen sogar angewiesen haben, das Essen bei einem Treffen mit freiem Oberkörper zu servieren. Da plaudert man(n) doch gerne ein paar Informationen aus. Auch im Spiel bringt dieser Bonus deshalb Vorteile in der Informationsbeschaffung: Zum einen bekommt Katharina automatisch eine Stufe höhere diplomatische Sichtbarkeit, wenn sie eine neue Zivilisation trifft. Zum anderen bekommt sie einen zusätzlichen Spion bei Erforschen der Schloss-Technologie.

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Nutzt die Waffen einer Frau: Katharina von Medici

Beide Boni machen also Sinn und passen zum dazugehörigen Namen. Wenngleich es etwas komisch wirkt, dass der erste Bonus auch bei weiblichen Staatsoberhäuptern wirkt, aber die haben sicherlich auch männliche Diplomaten. Zeitlich gesehen liegt die Schloss-Technologie im Spätmittelalter, ein wenig zu „früh“ für die Zeit von Katharina, aber kein wirklicher Beinbruch. Der Bonus soll ja auch seine Stärke entfalten können und da Spionage ein eher selten genutztes Element ist, geht das in Ordnung. Was weniger in Ordnung geht, ist der historische Fokus von Katharina. Natürlich hat ihr Bonus im Spiel einen klaren Bezug zu ihr, aber es gibt eine historische Begebenheit, welche man ebenfalls mit ihrem Namen verbindet: Den Kampf gegen die Hugenotten, welcher in der von ihr befohlenen Bartholomäusnacht gipfelte. Der katholisch geprägte Hof hatte sich einige Jahrzehnte mit den französischen Protestanten (= Hugenotten) herumgeschlagen, als es 1572 zur Aussöhnung kommen sollte: Auf der Hochzeitsfeier zwischen dem Anführer der Hugenotten, Heinrich von Navarra, und Katharinas Tochter Margarete von Valois kam es dann zu einem wahren Blutbad. Gut 3000 Hugenotten wurden in der „Hochzeitsnacht“ auf den Straßen von Paris getötet, während Heinrich als Gefangener machtlos war und konnte sein Leben nur durch den Übertritt zum Katholizismus retten. Game of Thrones lässt grüßen. Worauf ich hinaus will: Im Sinne dieses Boni hätte man ihr also auch einen religiösen Bonus geben können, er wäre von der historischen Bedeutung wohl auch markanter, als ihre bezaubernden Damen. Aber bei welchem Anführer bietet es sich sonst an, einen Spionagebonus zu machen? Gründe für religiöse Boni gibt es bei anderen Herrschern genug, weshalb man sich hier wohl für die „friedliche“ Variante entschieden hat. Beide Ereignisse zeigen ab: Mit Katharina war nicht zu spaßen.

 

Grand Tour

Hinter der Grand Tour versteckt sich wohl die (aus Lizenzgründen nicht benutzte) Tour de France. Der eigentliche Begriff umfasst dabei nicht nur das Radrennen in Frankreich, sondern auch die großen Rundfahrten in Italien und Spanien. Aber als größtes Radrennen der Welt passt die Tour de France natürlich zu Frankreich, wenn auch nicht zur Anführerin.

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Vorbei den den prächtigsten Orten Frankreichs: Die Tour de France

Wer mit diesem Bonus aber mehr Kultur, mehr Gold oder ähnliches verbindet, wird sich getäuscht haben. Tatsächlich erhöht er die Produktion für Wunder im Mittelalter, in der Renaissance und im Industriezeitalter. Zwar gibt es noch den halbwegs sinnvollen Bonus, dass die Tourismusproduktion von Wundern eines Zeitalters verdoppelt wird (Immerhin sollen Radfahrer ja auch was von Frankreich sehen!), aber wirklich viel Sinn ergibt der Bonus in diesem Kontext nicht. Profiradsportler dürften nicht die größten Baukentnisse haben, schon gar nicht in den oben genannten Epochen. Unabhängig von Namen zielt dieser Bonus auf die großen und prächtigen Bauten unter Ludwig XIV. ab. Dies würde auch viel besser zu den zeitlichen Einteilungen der beschleunigten Wunderproduktion passen. Denn gerade in diesen Phasen bekamen die Franzosen ihren Ruf als prächtige Hofbauer, was sich auch im Spiel zeigt: Mont St. Michel, Versailles oder der Eifelturm; Wunder gibt es genügend im Spiel. Nur passen sie überhaupt nicht zu dem Bonus. Hier ging es den Entwicklern wohl darum, diesen Aspekt der französischen Geschichte nicht ignorieren zu wollen. Frankreich hat sich immer als kulturelle und wunderaffine Nation in der Civilization-Geschichte gezeigt und das kann man, vom Charakterbonus abgesehen, nur in Bonus der Nation zeigen. Eine besondere Einheit oder das besondere Gebäude können dies nicht wirklich (versuchen es aber, dazu später mehr!). So kommt es, dass die Merkmale von Ludwig XIV. Hier im Spiel sind, wenn auch in einem völlig unpassenden Bonustitel. Außer es zeigt sich durch irgendwelche historischen Dokumente, dass Ludwig XIV. Begeisterter Radfahrer war…

Imperiale Garde

Wenn Ludwig XIV. schon nicht im Spiel ist, welcher ebenfalls nicht ganz unbekannte Franzose darf dann ebenfalls nicht indirekt fehlen? Richtig: Napoleon: Er versteckt sich in der Spezialeinheit der Franzosen, der Imperialen Garde. Sie ist eine Spezialeinheit der Franzosen im Industriezeitalter und bringt neben einem Kampfbonus auf dem Kontinent der Hauptstadt auch zusätzliche „Große General“-Punkte für das Besiegen von gegnerischen Einheiten.

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Im Einsatz für Frankreich: Die imperiale Garde

Gegründet wurde sie 1804, wobei sie eigentlich nur die Weiterführung der Konsulargarde darstellt, jetzt aber mit anderen Namen. Napoleon selbst befahl diese Umbenennung und sorgte sich auch in anderen Bereichen wie bspw. der Kleidung höchstpersönlich um sie. Nicht nur zeitlich passt dieser Bonus deshalb zu Napoleon, auch inhaltlich lehnt er sich deutlich an dessen Eroberungen in Europa an. Dort gelangen ihm zwischen 1805 und 1812 zahlreiche Siege, bis er übermütig nach Russland marschierte. Außerhalb des europäischen Festlandes (auf welchem Paris liegt!) folgten jedoch keine Siege mehr, sondern eher vernichtende Niederlagen. Am Ende verlor Napoleon mit einem stark in Mitleidenschaft gezogenen französischen Heer die Völkerschlacht bei Leipzig und so endete seine Herrschaft auch schon (fast) wieder. Zwar verlor Napoleon die wichtigen Schlachten im europäischen Teil Russlands, aber für die Interpretation des Spiels kann Russland je nach Belieben als Teil Europas oder nicht gedeutet werden. Daher der Angriffsbonus für diesen Einheitentyp auf dem Hauptstadtkontinent. Der beschleunigte „Große General“ ist dann die direkte Anspielung an den wohl größten französischen General.

Chateau

Abschließend fehlt noch das Spezialgebäude der Franzosen, welches hier eine besondere Modernisierung ist: Das Chateau.  Streng genommen ist es lediglich eine Übersetzung des Wortes Schloss ins Französische, aber im Gegensatz zum Palast in der Stadt liegt das Chateau auf dem Land.

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Nette Nachbarschaft: Ein Chateau in Civilization VI

Sein Bonus im Spiel kommt daher nicht von ungefähr, denn wenn ein Chateau neben einem Wunder (+1 Kultur) oder einer Luxusressource (+1 Gold) gebaut wurde, produziert es zusätzliche Einheiten des jeweiligen Typs. Die einzige Bedingung: Ein Chateau kann nur an einem Fluss gebaut werden. Auch hier versucht man den historischen Gegebenheiten nachzukommen, denn früher wurde ein Chateau oft an einem Fluss gebaut. So konnte man sich einer malerischen Umgebung sicher sein, welche meistens eher gewollt war, als eine sichere Befestigung. Versailles dürfte dafür ein gutes Beispiel sein, weil es nicht so schwer einzunehmen gewesen wäre. Als Ausdruck von Kultur und Reichtum erklären sich die oben genannten Boni dann auch recht schnell.

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Alt, aber schick: Das Chateau in Azay-le-Rideau
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