Gibts die noch? – Age of Empires II Völker-Spezial [Teil 2]

Franken

Wer einmal nach Nürnberg gefahren ist und die Anwohner gefragt hat, wie es sich hier in Bayern so lebt, wird sicherlich schief angeguckt wurden sein. Denn kaum ein Einwohner dort würde sich als „Bayer“ bezeichnen, sondern eher als „Franken“. Dabei begann die ursprüngliche Geschichte dieses Volkes viel weiter im Westen: im 2. Jhdt. n.Chr. formierten sich um den Rhein herum Bündnisse aus verschiedenen Stämmen, welche in römischen Quellen lediglich als „Franci“ bezeichnet wurden. Woraus dann später der Begriff „Franken“ hervorging. Dabei waren die Franken nur selten ein einheitliches Volk, im Verlauf der nächsten Jahrhunderte bildeten sich von Frankreich über Deutschland mit Salfranken, Rheinfranken, West- und Ostfranken verschiedene Ableger. Am bekanntesten sollte aber das Fränkische Reich sein, welches zwischen dem 5. und 9. Jhdt. n.Chr. existierte. Durch den Vertrag von Verdun wurde das ganze Reich jedoch aufgeteilt und es entstanden drei neue Königreiche, aus welchen später Frankreich, das Heilige Römische Reich und das Herzogtum Lothringen hervorgehen sollten. Tatsächlich behielt lediglich im Ostfrankenreich das Gebiet um Nürnberg herum die Bezeichnung als „Frankenreich“ über das Mittelalter hinaus bei, sodass es den Menschen dort auch heute noch sehr wichtig ist, dass sie Franken sind. Und keine Bayern!

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Ein Franke regiert Bayern: Ministerpräsident Markus Söder!

 

Goten

Ähnlich wie bei den Franken ist es bei den Goten schwierig, von „den Goten“ zu sprechen. Denn auch hier muss man wieder zwischen Ost- und Westgoten unterscheiden. Wer einmal „Asterix bei den Goten“ gelesen hat, wird verstehen, was ich meine. Ihren ersten großen Auftritt in der Weltgeschichte hatten die Goten in der Völkerwanderungszeit der Spätantike. Auch wenn ihr Ursprung umstritten ist, so zeugen die römischen Quellen doch von zahlreichen Auseinandersetzungen mit den Goten. Wie schon erwähnt zogen sie zur Völkerwanderungszeit dann umher, wobei sie quasi alles „besuchten“, was Europa so zu bieten hatte: Skandinavien, das Schwarze Meer, Rom und Spanien. Aus diesen Wanderungen entstanden mit dem Westgotenreich und dem Ostgotenreiche zwei eigene Herrschaftsgebiete. Das Reich der Ostgoten stützte sich dabei auf die Überreste des einstmals großen (west-)römischen Reichs. Im Gegensatz zu den Franken war den Goten jedoch keine lange Herrschaftszeit vergönnt: Die Ostgoten verloren 552 nach der Schlacht am Milchberg gegen das oströmische Reich ihre Gebiete, knapp 200 Jahre später wurde das Reich der Westgoten durch den muslimischen Feldherrn Tāriq ibn Ziyād erobert. Womit auch das Ende der Goten einher ging. Egal ob im Westen oder Osten. Wer übrigens ein gutes Trinkspiel sucht: Für jedes „Ost-“ und „West-“ in den letzten beiden Artikel einen kurzen Trinken. Prost!

Hunnen

Nein, hier kommt garantiert nichts mit „West- und Osthunnen“. Allerdings gilt auch wieder, dass „die Hunnen“ keineswegs klar definiert sind (Man erkennt so langsam ein Muster bei den Völkern von AoE!). Nur dass die Quellenlage bei den Hunnen ziemlich schlecht ist, im Vergleich zu den Goten oder Franken. Tatsächlich können wir uns heute nur auf ein paar spätantike und zumeist römische Quellen stützen, was unser Wissen über die Hunnen angeht. Und der Quellenwert ist meistens auch fragwürdig, werden die Hunnen doch meist negativ dargestellt. Das Ende der Welt hat uns erreicht…, wir befinden uns in der Endzeit,[…]“ schrieb der Kirchenvater Ambrosius von Mailand um 390. Und mit dem Ende der Welt bezog er sich auf die Überfälle der Hunnen einige Jahre zuvor! Auch die mittelalterliche Überlieferung des Hunnenkönigs Attila als „Geißel Gottes“ rührt aus dieser Vorstellung. Aber zurück zum eigentlichen Thema: So wenig man über Aufkommen und Wachstum der Hunnen auch weiß, so wenig ebenso über deren Zerfall. Nach Attilas wahrscheinlichem Tod im Jahr 453 zerfiel das Hunnenreich wohl langsam und auch wenn einzelne Stämme bis ins 6.Jhdt. überlebten, so fand das Reich der Hunnen dann doch ein Ende. Heutzutage tauchen die Hunnen zwar nicht mehr auf der Landkarte, aber immer wieder gerne in verschiedenen Medien auf, vor allem, wenn man Vorbilder für „wilde Reitervölker“ sucht. Die Dothraki aus Game of Thrones lassen grüßen…

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Auch in der Total War-Serie hat Attila schon einzug gehalten.

Inka

Als 1572 mit Túpac Amaru der letzte Herrscher der Inka von den Spaniern getötet wurde und das Reich der Inka vor dem Ende stand, floh der letzte Rest der Bevölkerung nach Paititi. An diesem Ort, der nie von den Feinden gefunden werden konnte, verweilen sie, bis eines Tages der Inkarrí, der König der Inka, wieder hervortreten und das Reich der Inka wieder auferleben lassen wird! Nach diesem Mythos bewertet, sind die Inkas also heute noch unter uns, wir wissen nur nicht genau wo. Aber selbst, wenn man die mythischen Pfade verlässt, gibt es heute noch einige indianische Stämme, welche ihre Herkunft direkt von den Inka ableiten. Zum Beispiel die Q’ero-Indianer in Peru. Auch abgesehen davon hält sich die Sprachgruppe Quechua im südamerikanischen Raum bis heute. Insofern haben die Inka und ihre Sprache und Kultur in gewisser Weise bis heute überlebt und es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich auch der Inkarrí aus Paititi erheben und das Reich der Inka zu neuem Glanz führen wird!

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Ein bauliches Meisterwerk: Die Inka-Stadt Machu Picchu

Inder

Bei knapp 1,4 Milliarden Einwohnern und dem Status als zweitgrößtem Land der Erde (was die Bevölkerung angeht) wird man schon davon ausgehen können, dass es heutzutage noch Inder auf der Welt gibt! Deshalb lohnt es sich hier auch mehr, einen Blick auf die Entwicklung, als auf das Ende zu werfen. Denn „die Inder“ sind durch die Geschichte entlang immer wieder anders lokalisiert wurden. Für die Europäer galt ganz Südostasien um 1500 als Indien, weshalb sich zum Beispiel das Präfix „Indo-“ bei Indonesien erklärt: Es waren für Europäer die indischen Inseln! Auch die Ureinwohner Amerikas wurden schon zu Ind(ian)ern, nachdem Christoph Kolumbus den amerikanischen Kontinent für Indien gehalten hatte. Die beginnende Neuzeit war jedoch nicht der erste Kontakt zwischen Europäern und (vermeintlich) indischen Völker: 326 v.Chr. scheiterte Alexander der Große auf seiner Reise ans Ende der Welt mit seinem Indienfeldzug. Der indische König Poros besiegte ihn in der Schlacht am Hydaspes. Die Inder haben also schon eine große Rolle in der Geschichte der Menschheit gespielt, sie tuen es immer noch und laut Wirtschaftswissenschaftlern werden sie das auch in Zukunft noch tun. Und zwar stärker denn je!

Italiener

Da die Fußball-WM in einigen Tagen losgehen wird, dauert es gar nicht mehr so lange, bis wir die Italiener auch heutzutage wiedersehen werden! Was? Italien ist gar nicht dabei? Hups… Abgesehen von der Fußball-WM gilt hier aber dasselbe wie schon bei den Indern: Die Italiener haben heute ebenfalls einen eigenen Staat und agieren noch als relativ große Macht in der Weltpolitik. Doch das Nationalbewusstsein, ein Italiener zu sein, ist noch gar nicht so neu. Tatsächlich erschuf erst Napoleon im Jahr 1797 die sogenannte Cisalpinische Republik, aus welcher sich dann ein paar Jahre später die Italienische Republik wurde. Und aus dieser erwuchs dann das Königreich Italien. Zuvor lebten auf dem Gebiet des heutigen Italiens vor allem italische Völker, die aber alle einen eigenen Namen trugen (Latiner, Samniten). Nach dem Aufstieg und Fall des Römischen Reiches bildeten sich in den folgenden Jahrhunderten viele Teil- und Stadtreiche, die keineswegs dem entsprachen, was wir uns unter einem einigen Italien heute vorstellen. Insofern war es erst ein Franzose, der das moderne Italien geeint hat. Nicht unterschiedlich wie bei uns übrigens…

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Bei der WM nicht dabei, aber immer noch in der Weltpolitik und in Age of Empires II: Italien und ihr Torhüter Gianluigi Buffon.

Japaner

Um den offensichtlichen Bezug zur Fußball-WM zu behalten: Endlich mal eine Nation, die es heute noch gibt und die sich auch für die WM qualifiziert haben. 😉 Dabei geht die Besiedlungsgeschichte Japans relativ weit zurück und begann wohl spätestens vor 25.000 Jahren. Als erste Phase der japanischen Kulturgeschichte wird die Jōmon-Zeit gesehen, welche von 14.000 bis 300 v.Chr. geht. 357 Jahre später folgte dann die erste (jedenfalls nach heutigem Überlieferungsstand) Erwähnung Japans als eigener Nation: In dem chinesischen Geschichtswerk Hou Hanshu. Widerum gut 700 Jahre später wird das älteste Schriftstück in japanischer Sprache datiert. Von daher war Japan im Mittelalter (unabhängig davon, ob man die „westliche“ oder die „japanische“ Zählung wählt) längst etabliert und hat sich unter wechselnden Staatsformen bis heute gehalten. Und dass die japanische Kultur sich heute weltweit großer Anerkennung freut, sieht man nicht nur an den Sushi-Bars oder Manga-Comics, nein vor allem kennen wir Gamer einen Namen, der unsere Herzen höher schlagen lässt: Nintendo!

Khmer

Spoiler vorweg: Ja, es leben noch gut 15 Millionen Khmer auf der Welt. Die Preisfrage lautet nun: in welchem Land? Denn im Gegensatz zu vielen anderen Staaten lässt sich die Herkunft auf Deutsch nicht wirklich vom Namen ableiten. „Khmerien“ als Land gibt es nicht. Aber das „K“ ist nicht verkehrt: Wie müssen nach Kambodscha gehen! Dort leben heutzutage gut 12 Millionen Khmer und stellen damit knapp 90% der Bevölkerung. Die restlichen Khmer leben im benachbarten Ausland oder in Frankreich, welches von 1863 bis 1954 dort Kolonialherr war. Aber werfen wir nun einen Blick in die Geschichte: Das erste Königreich auf dem Boden Kambodschas entstand im ersten Jahrhundert v.Chr.: Ein geeintes Khmer-Reich gab es jedoch erst 700 Jahre später: Jayavarman II. einte im Jahr 802 verschiedene Stämme der Khmer und nannte sich als Erster „König der Khmer“. Bis 1431 sollten verschiedene Könige diesen Titel führen und das Reich der Khmer erblühen lassen, bis es in diesem Jahr von dem benachbarten Königreich Ayutthaya erobert wurde. Für das Volk der Khmer begann nach 1431 eine relativ dunkle Zeit, in welcher sie wohl in zahlreiche Konflikte anderer Regionalmächte gerieten. Nach den ersten Kontakten mit den Europäern entstand auch der heute bekannte Name Kambodscha. Dieser leitet sich aus dem englischen „Cambodia“ ab. Dies stammt wiederum aus dem französischen Namen „Cambodge“, was eine Ableitung der bei den Khmern gängigen Eigenbeziechnung „kampuciə“ ist. Also wieder mal ein Land, dem wir einen eigenen westeuropäischen Namen aufdrücken mussten! Und uns selbst verwirren, wenn man bei den Einwohnern Kambodscha nicht an die Khmer, sondern wohl möglich an „Kambodschaner“ oder schlimmeres denkt…

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Eine der bekanntesten Tempelanlagen der Khmer: Angkor Wat

[Weiter geht es nach einer kleinen WM-Pause mit Teil 3 am 1.8.2018]

 

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