Was bringt die Zukunft? – Das Ende des Technologiebaums in der Civilization-Serie (Teil I)

Das Ende ist nah! Nein, damit meine ich nicht etwas das Ende der Menschheit, sondern den Gedanken nach einer langen Partie Civilization. Nach dem Gründen von zahlreichen Städten, nach dem Führen von großen Kriegen und nach dem tausendsten „Nur noch eine Runde…“ neigt sich jede Partie einmal dem Ende zu. Aber nicht nur der Spieler macht sich diesen Gedanken, sondern auch der Technologiebaum in der Civilization-Serie. Wie die meisten Spielelemente ist er nicht unendlich, sondern man erreicht irgendwann den Zeitpunkt, wo man alle Technologien erforscht hat. Dabei kommt jedoch ein logisches Problem auf: Der Technologiebaum soll eigentlich die historische Entwicklung der Menschheit wiederspiegeln. Diese ist aber fortlaufend und nicht, wie im Spiel dargestellt, auf ein Ziel hin bestimmt. Man hört ein echt ja auch nicht einfach zu forschen. Natürlich ist es so gut wie unmöglich, einen unendlichen Technologiebaum zu erfinden. Man begibt sich dabei aus der Realität und in Science-Fiction, was eigentlich nicht zum Civilization-Universum gehört. Gerade die historischen Aspekte stehen doch im Vordergrund. Für Zukunftsszenarien gibt es Ableger wie bspw. Civilization – Beyond Earth.

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Die Zukunft liegt im Weltraum: Civilization – Beyond Earth

Deshalb ist es für die Teile der Reihe nötig, an einer Stelle einen Cut zu machen. Und mit diesem wollen wir uns heute beschäftigen. Denn dieser Cut müsste sich ja an dem jeweiligen Stand der Technologie orientieren. Sprich: Civilization I hat ein anderes technologisches Ende als Civilization VI. Von daher werden wir uns heute einmal die letzten Technologien des jeweiligen Serienteils angucken und schauen, ob es zeitliche Unterschiede gibt, ob es eine allgemeine Lösung gibt, oder man sich an dem jeweils aktuellen Forschungsstand orientiert. Viel Spass beim Lesen!

Die beste (?) Lösung: Zukunftstechnologien

Was macht man, wenn man die Zukunft nicht vorhersehen kann? Genau, man nimmt einfach das Wort „Zukunft“ und schon ist man abgesichert. Technologien, die in Zukunft erforscht werden, sind also „Zukunftstechnologien“. Alle Serienteile haben in ihren jeweiligen Technologiebäumen die Zukunftstechnologien als eine der letzten auf dem Plan. In Civilization 2, 5 und 6 ist sie auch die wirklich letzte Technologie, während sie bei 1 und 4 mit anderen auf einer Stufe steht. Civilization 3 hat sie ebenfalls ganz am Ende platziert, dort taucht sie jedoch nicht im Baum auf. Erst nach dem Erforschen der letzten Technologie erscheint sie als einzige zu erforschende Technologie. Doch was genau verbirgt sich hinter diesem Begriff? Werfen wir mal einen genaueren Blick auf die Definition aus Civilization V:

Es ist schwierig, die Geschichte von Technologien niederzuschreiben, die noch gar nicht erfunden wurden. Aber hier ein paar mögliche große Durchbrüche, die die Geschichte der Menschheit dramatisch beeinflussen könnten. Früher oder später wird die Medizin erforschen, wie man Krebs und andere Krankheiten heilen, die Lebenserwartung von Menschen deutlich erhöhen und das menschliche Gehirn direkt an Maschinen anschließen kann. Billige, saubere Energieformen werden entdeckt werden. Computer werden schneller und kleiner werden. Spiele werden fesselnder und realistischer werden. Brutale neue Waffen werden entwickelt werden. Und ein riesiger Killerroboter wird gebaut werden, um alles Leben auf dem Planeten zu zerstören, aber wir werden von einer Armee von mutierten Kung-Fu-Cyborgs gerettet werden. Die Zukunft wird spannend!

Auch wenn der Artikel nicht ganz ernst gemeint ist (Wobei Killerroboter vs Kung-Fu-Cyborgs schon interessant anzuschauen wäre), so spricht er Themen an, die in der Wirklichkeit ja behandelt werden: Wann wird man Krebs heilen können? Wie lange werden wir in Zukunft leben? Woraus gewinnen wir unsere Energie? Man ist sich bewusst, dass solche Probleme in Zukunft eventuell gelöst werden können, kann sie aber aufgrund fehlender genauerer Informationen nicht benennen. So umfassen die Zukunftstechnologien kein bestimmtes Themenfeld, sondern alle möglichen Bereiche. Im Kontext der Serie ist das schon hervorzuheben, weil Technologien, die über mehrere Bereiche hinweg bedeutend waren, oftmals auf einen Bereich beschränkt waren. Stahl oder der Laser dienten in Civilization V bspw. nur für militärische Zwecke. Die Zukunftstechnologien stellen für die meisten Teile ein allumfassendes Fazit dar, welches die gesamte Technologie der Menschheit beinhaltet. Eine Ausnahme ist hier Civilization IV, weil es die Zukunftstechnologie nicht ganz an das Ende setzt (also man kann sie erst erforschen, wenn man alle anderen bereits erforscht hat), sondern nur an das Ende eines bestimmten Strangs.

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Fotofinish nach gut 6000 Jahren: Die Zukunftstechnologien gleichauf mit der Kernfusion (Civilization IV)

Historisch gesehen ist der Gedanke an die Zukunft oder an Weiterentwicklung generell gar nicht so neu. Denn für lange Zeit sollte das Bild vom Ende der Welt die Gedanken der Menschen prägen. Damit meine ich nicht so einen eher ironischen Blick auf Ereignisse wie den 21.12.2012 (Maya-Kalender des Todes!!!11), sondern den ernsten Glauben an die so genannte Vier-Reiche-Lehre. Diese ist aus einer Deutung des Buchs Daniel der Bibel entsprungen: Insgesamt gebe es vier Weltreiche, wonach das Ende dieser Welt komme. Dann beginne nämlich das Gottesreich mit dem Tag des jüngsten Gerichts. Als Weltreiche wurden damals die großen Reiche der Geschichte gesehen, in dieser Reihenfolge: 1. Babylonisches Reich 2. Perserreich 3. Alexanderreich 4. Römisches Reich. Da den Menschen im Mittelalter bewusst war (oder von der Kirche bewusst gemacht wurde!), dass das Römische Reich an sich nicht mehr existierte, bastelte man sich eine Begründung, weshalb die Welt noch nicht untergegangen wäre: die römische Herrschaft wäre nach dem Fall des römischen Reichs durch die Kaiserkrönung Karls des Großen auf diesen übergegangen. Dasselbe gelte für Otto den Großen, weshalb das römische Reich im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation weiter existiere! Aus dieser eher nach hinten als nach vorne gewandten Einstellung entwickelte sich keine wirklich positive Haltung für die Zukunft. Erst durch die Renaissance und das Ende des HRRDN nach der Niederlage gegen Napoleon 1806 sollten diesen Gedanken vertreiben und Zukunftstheorien in den Vordergrund stellen. Seitdem wurden aber viele Gedanken auf „die Zukunft“ gerichtet, sowohl für technologische Forschung, als auch für die Kultur. Schon im 17. Jahrhundert schrieben Autoren Bücher über Reisen ins Weltall, der deutsche Schriftsteller Julius von Voß behandelte im 18. Jhdt. Themen wie den Einsatz von technischen Massenvernichtungswaffen oder Sozialversicherungen. Beides sind Themen, die heute fast als natürlich angesehen werden. Was bei der einen Sache positiv, bei der anderen eher negativ ist. Zukunftstechnologien sind daher ein fester Bestandteil unserer aktuellen Welt und bekommen diese Rolle auch im Spiel, wenngleich es ein wenig schade ist, dass sie spielerisch kaum einen Nutzen haben. Denn sie zu erforschen bringt lediglich Punkte für den Zeitsieg, ansonsten haben sie keinen Mehrwert. Nur in Civilization IV bringen sie jeder Stadt zusätzliche Zufriedenheit und Gesundheit.

Auch dabei: Kernfusion und Co

Nachdem wir die Zukunftstechnologien also als Spitzenreiter in Sachen Ende des Technologiebaums ermittelt haben, wollen wir nun einen Blick auf die weiteren Technologien werfen, die sich am Ende des Baumes tummeln. Hier geht es bei Civilization IV los, weil wir dort „gleichwertige“ Technologien finden: Die Kernfusion und die Robotertechnik. Sofern es sie in den anderen Civilizationteilen gibt, sind sie auch stets in den späteren Spielphasen zu finden. Auch die Stealth-Technologie ist bei den Technologien immer hinten mit dabei, auf den Plätzen warten Technologien wie die Nanotechnologie. Hierzu sei aber noch gesagt, dass es von Spiel zu Spiel unterschiedlich ist, welche Technologie denn nun vorkommt. Mit einem kleinen Rückblick auf meinen Blogbeitrag zu diesen Technologien im Informationszeitalter von Civilization V gucken wir mal auf die „Erforschdaten“:

Kernfusion: 1934/1952

Robotertechnik: 1954

Stealth: 1981

Nanotechnologie: 1974

Selbst wenn man sich auf Stealth als aktuellste Technologie bezieht, erkennen wir, dass der an sich technologische Stand auch im Jahr 1991 (Civilization I erscheint) schon gut 10 Jahre alt war. Natürlich kann man nicht davon ausgehen, dass eine Technologie sofort nach ihrer Erfindung auch großen Einfluss auf das Weltgeschehen hat, was sich möglicherweise auch im Spiel zeigt: Civilization I kennt die Kernfusion und die Robotertechnik als Technologien, die Nanotechnologie und Stealth nicht. Stealth findet mit Civilization III seinen Weg in die Serie, die Nanotechnologie erst in Civilization V! Für die Nanotechnologie könnte man sogar eine Begründung heranziehen: zu Beginn des neuen Jahrtausends kamen viele Diskussionen über die ethische Arbeit mit der Nanotechnologie auf. Denn durch Produkte wie kompaktere Computer und Handys, Funktionskleidung oder auch Kosmetikartikel rückte die Nanotechnologie immer weiter in die öffentliche Wahrnehmung.

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Doping nur für die Kleidung: Funktionskleidung aus Nanotechnologie

Solche Möglichkeiten bringen aber auch Gefahren mit sich und darüber begann ab 2004 eine breite Diskussion. Dies zeigt sich auch an einer Umfrage zur Bekanntheit der Nanotechnologie: 17% der Deutschen kannten den Begriff im Jahr 2004, 3 Jahre später waren es bereits 52%: Diese öffentliche Wahrnehmungsentwicklung fand auch in anderen Ländern statt, was sich schließlich in ihrem Auftauchen in Civilization V (2011) zeigte. Bei der Stealth-Technologie ist es schon schwieriger, eine Begründung zu finden, aber eventuell hängt es am spieltypischen Steigern von Teil zu Teil. Tarnkappenbomber als „unsichtbare“ Flugeinheit sind zu einfach Flugzeugen eine Steigerung, die sich als solche auch gut vermarkten lassen. Bei den ersten beiden Serienteilen ging man eventuell noch nicht davon aus, wie groß der Erfolg der Serie einmal werden würde. Bis auf diese beiden Ausnahmen sammeln sich aber viele ähnliche Technologien in den unterschiedlichen Serienteilen, weshalb ein Unterschied bei den Endtechnologien bis jetzt eigentlich noch nicht festgestellt werden kann…

noch nicht! Aber ein wenig Spielraum bleibt ja noch, gerade Civilization VI bietet mit dem „zweiten“ Technologiebaum ungeahnte Möglichkeiten. Für heute ist aber erstmal Pause, sodass das Ende (Wie bei einer guten Partie Civilization VI) noch ein wenig hinausgezögert wird! Eine kurze Ankündigung zu den nächsten Wochen möchte ich aber noch machen: der zweite Teil dieses Artikels wird bereits nächste Woche erscheinen, dafür gibt es am 26.12. ein besonderes Weihnachtsspecial zu „Wer ist es?“. Und dann geht es im nächsten Jahr normal weiter! Das ist auch gar nicht mehr so lange, weshalb dafür der zu Beginn ausgesprochene Satz immerhin für das Jahr noch seine Verwendung findet. Denn hier ist das Ende wirklich nah!

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