Gibts die noch? – Age of Empires II Völker-Spezial [Teil 3]

Koreaner

Der geneigte Nachrichtenschauer wird die Frage nach dem Fortbestehen der Koreaner wohl eher mit „Nein“ beantworten. Denn ständig hört man von Ereignissen aus Nord- und Südkorea. Dieses Präfix spielt in nahezuallen Berichterstattungen eine große Rolle, so schied die deutsche Nationalmannschaft ja auch gegen die Südkoreaner aus. Gibt es diese Trennung also schon seit Anbeginn der Zeit? Auch wenn man hier sicherlich eine nette Geschichte zusammenbasteln könnte, so ist dies klar zu verneinen. Seit der Gründung des ersten Königreiches auf der koreanischen Halbinsel im Jahr 2333 v.Chr. folgten über 4000 Jahre als (mehr oder weniger) geeintes Korea. Erst 1948 entstand infolge des Stellvertreterkrieges zwischen der USA und der Sowjetunion mit deDemokratischen Volksrepublik Korea ein zweiter koreanischer Staat. Die Parallelen zur deutsch-deutschen Trennung sind nicht zu verkennen und wenn man bedenkt, wie sehr auch hier doch noch zwischen „Ossi“ und „Wessi“ unterschieden wird, mag man sich gar nicht vorstellen, wie lange eine Wiedervereinigung beider koreanischer Staaten heute dauern würde. Solange muss man sich also an Raketentests aus Nordkorea und WM-Niederlagen gegen Südkorea gewöhnen.

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Gemeinsam in die Zukunft? Chung Eui-yong und Kim Jong-Un bei einem Treffen in Pyongyang.

Ungarn

Wie die Nordkoreaner schaffen es auch die Ungarn durch ihr Regierungsoberhaupt regelmäßig in die Nachrichten. Die Ungarn sparen sich dabei jedoch eine Aufteilung in Nord- und Südungarn oder ähnliches. Aber auch dort kam es in der Geschichte immer mal wieder zu interessanten Verbindungen, mit welchen der Nationalheilige Stephan I. wohl nicht gerechnet hätte, als er im Jahr 1001 n.Chr. zum ersten ungarischen König gekrönt wurde. Ungarn stieg im Hoch- und Spämittelalter zu einer regionalen Macht in Europa auf, bis es im 16. Jhdt. Vom osmanischen Reich erobert wurde. Nach der Befreiung durch Hilfe der Habsburger entwickelten sich neue Konflikte, die erst durch den Österreichisch-Ungarischen Ausgleich 1867 beigelegt werden konnten. Der Vielvölkerstaat sollte jedoch nicht lange halten, sodass Ungarn 1918 zur demokratischen Republik proklamiert wurde. Nach einer Öffnung zur Sowjetunion und der Zugehörigkeit zum Warschauer Pakt, folgte 1999 jedoch der Beitritt zur NATO. Fasst man all dies zusammen, so wird einem klar, dass Ungarn seit über 1000 Jahren in Europa eine aktive Rolle in der Politik spielen. Stellt sich nur die Frage, auf welcher Seite?

Malaien

Hey, hast du schon mal Age of Empires II gespielt?“ – „Nein, aber ich würde es gerne. Kannst du es mir Malaien?“ … Genug der Wortspiele und ab nach Südostasien. Genauer gesagt: auf die Malaiische Halbinsel. Dort beherrschte der wohl im 6. Jhdt. Gegründete Staat „Srivijaya“ die Inselgebiete um die Straße von Malakka und die Sundrastraße. Durch seine günstige Lage erlangte Srivijaya vor allem durch den Seehandel zu Macht und Reichtum. In den nächsten Jahrhunderten sollte dieses Gebiet dann zu einer Art religiösem Schmelztiegel werden: Erst unter dem Einfluss von Buddhismus und Hinduismus, drängte im 15. Jhdt. der Islam die bisherigen Religionen zurück. Der Islam sollte dabei eine prägende Rolle spielen, die Malaien als ethnische Gruppe von den lokalen Gruppen (wie z.B. den Einwohnern der Insel Java) abzugrenzen. Später wurde der Name dann vor allem von europäischen Kolonialmächten übernommen und nach Europa überliefert. Heute decken das Siedlungsgebiet der damaligen Herrschaftsgebiete vor allem Südthailand, Malaysia und Nord-Indonesien ab und knapp 24 Millionen Menschen werden der ethnischen Gruppe der Malaien zugeordnet. Kommt euch also jemand und sagt, dass es heute keine Malaien mehr geben würde, könnte ihr ihm direkt sagt: „Ey, sei Malays(i)a!“ …

Kuala Lumpur Urban Scene, Malaysia
Das Herz Südostasiens, etwas moderner als vor 500 Jahren: Malaysia

Malier

Neulich bei einer Runde Age of Empires im Multiplayer: „Ah, endlich ist meine Burg fertig. Dann kann ich ein paar Gbetos bauen. Moment mal, was ist das denn? Karambitkämpfer?“ Tatsächlich besteht hier durch die Ähnlichkeit der Namen die wohl größte Verwechslugnsgefahr. Ich hatte bei zufälliger Zivilisation nicht die Malier, sondern die Malaien erhalten. Hups! Abgesehen von dem Namen gibt es aber wenig Gemeinsamkeiten: Während die Malaien in Südostasien beheimatet sind, leben die Malier im westlichen Afrika. Seine Hochphase erlebte das Malireich zwischen dem 13. und 15. Jhdt.: Als einer der größten afrikanischen „Staaten“ des Mittelalters wurde er vor allem durch seinen Reichtum aus dem Goldhandel bekannt. Stellvertretend hierfür dürfte König Mansa Musa sein, der als einer der reichsten Männer seiner Zeit galt. Mit dem Ende des Mittelalters kam dann aber auch der Zerfall des Malireiches, da es durch Eroberungen in das Songhaireich überging. Die Einwohner Malis, Malinken genannt, lebten die Jahrhunderte danach in einzelnen kleinen Staaten oder unter Kolonialherrschaft. Am 22. September 1960 erklärte die zur damaligen Zeit Französisch-Sudan genannte Kolonie ihre Unabhängigkeit und nannte sich fortan „Republik Mali“. Insofern kann es also auch heute noch zu einem Treffen eines Malaien und eines Maliers kommen. Ohne Verwechslungen hoffentlich…

Maya

Wer nicht allzu jung ist, dürfte mitbekommen haben, dass die Maya bis vor ein paar Jahren noch regelmäßig in den Nachrichten aufgetaucht waren. Wobei sich dieses Interesse lediglich auf einen Aspekt beschränkte: Einen Maya-Kalender, welcher angeblich den Weltuntergang für das Jahr 2012 vorhergesagt hätte. Dieses aus esoterischen Kreisen entstandene Datum sorgte sogar für einen eigenen Film, der sich mit dem Weltuntergang beschäftigte (2012 von Roland Emmerich). Entfernt man sich jedoch von diesem Unsinn, so findet man bei den Maya mehrere 1000 Jahre reiche Geschichte. Forscher schätzen die ältesten archäologischen Funde auf Yucatán auf über 4000 Jahre alt ein. Die Maya bestanden als Reich von mehreren Stadtstaaten, bis im 16. Jhdt. Spanische Konquistadoren in Mesoamerika landeten und nach und nach das Gebiet eroberten, sowie die Bevölkerung mit Gewalt zum Christentum konvertierten. Die „heutigen“ Maya zeichnen sich zwar durch das Bewahren alter Traditionen aus, haben aber viele christliche Elemente doch übernommen. Gut 6 Millionen leben heute noch vor allem auf und um Yucatan.

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Auch heute ist die Maya-Kultur noch sichtbar geblieben: Chichen Itza auf Yucatan

Mongolen

Hätte sich das im 13. Jahrhundert eroberte Mongolenreich gehalten, so müssten wir gar nicht so weit gen Osten blicken, um Mongolen zu treffen. Bis ins heutige Polen eroberten die Reiterhorden der mongolischen Großkahns Gebiete und schufen so ein Weltreich, welches von Zentraleuropa bis an den Pazifik ging. Los ging es am Ende des 12. Jahrhunderts: Dschingis Khan vereinigte ein paar mongolische Stämme und schuf sich so eine Basis für seine Eroberungsfeldzüge. Durch geschickte Diplomatie und überlegene Kriegsführung erzielten die Mongolen schließlich Sieg um Sieg. Knapp 100 Jahre später nach diesen Anfängen sollte das größte zusammenhängende Reich stehen, das die Welt jemals gesehen hat. Doch so beeindruckend das Reich auch war: langlebig war es nicht. Ähnlich wie bei Alexander dem Großen zerfiel das Mongolenreich in mehrere Teilreiche, die alle nach und nach erobert wurden. 1644 wurde die Provinz „Äußere Mongolei“ als Teil Chinas geschaffen, welche bis Anfang des 20. Jahrhunderts Bestand hatte. Danach wurde die Mongolei zwar ein unabhängiger, aber von der Sowjetunion abhängiger Staat. Erst 1992 verabschiedete man sich offiziell von dem kommunistischen System und wurde zu einer parlamentarischen Republik. Die Mongolen sind also auch heute noch Teil der politischen Landschaft, wenngleich man wohl nicht mehr davon ausgehen muss, dass sie bald wieder über die halbe Erde herrschen werden.

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Groß, größer, am größten: Das Mongolenreich im Mittelalter

Perser

Als 651 mit Yazdegerd III. der letzte großpersische König von einfallenden Arabern getötet wurde, endete damit nicht nur seine, sondern generell die Herrschaft der Perser. Waren sie zuvor über mehrere Jahrhunderte vor allem als Widersacher Roms im Osten bekannt geworden, so mussten sie sich nun von der politischen Landkarte verabschieden. Wie ihre einstigen Gegner im Westen. Doch verschwanden auch „die Perser“? Nicht wirklich, denn tatsächlich kam es zum einem Wandel des Begriffes: Heutzutage werden Perser als solche Menschen gezählt, welche die persische Sprache sprechen. Es zählte nun nicht mehr die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Volksgruppe, sondern die Muttersprache. Insofern haben wir heute noch relativ viele Perser, das die persische Sprache im Iran, in Afghanistan und in Tadschikistan offizielle Amtssprache ist. „Heutige Perser“ und „historische Perser“ sind also nur schwierig zu vergleichen. Vor allem, da sich ein Großteil der Kultur auch durch den islamischen Einfluss nach der Eroberung verändert hat. Also gibt es heute noch gut 70 Millionen muttersprachliche Perser, bei denen man aber aufpassen muss, sie mit den historischen Persern zu vergleichen!

Portugiesen

Als Heinrich der Seefahrer im Jahr 1420 die Atlantikinsel Madeira für Portugal besiedelte, hätte er sich sicherlich nicht vorstellen können, dass über 500 Jahre später der wahrscheinlich bekannteste Portugiese der Gegenwart von dort herkommen würde: Christiano Ronaldo. Insofern hat auch er seinen Teil dazu beigetragen, dass Portugal 2016 Europameister im Fußball wurde! Doch begonnen hatte Porutgals Geschichte bereits 300 Jahre früher: Heinrich von Burgund wurde 1093 erster „Graf von Portugal“ und legte somit den Grundstein für den späteren Aufstieg Portugals zur Kolonialmacht. Abgesehen von einer „kurzen“ Phase unter spanischer Herrschaft (1580-1668) blieb Portugal dabei ein unabhängiges Königreich und konnte durch seine direkte Anbindung an den Atlantik bis ins 19. Jhdt. Hinein mit den „großen“ Kolonialmächten mithalten. Erst 1910 wurde mit der Ausrufung der ersten portugiesischen Republik das Königtum abgeschafft, jedoch dauerte es noch 64 weitere Jahre, bis sich das „heutige“ Portugal gründete. Die Portugiesen haben die 500 Jahre seit dem Ende des Mittelalters also gut überstanden und auch wenn sie nicht mehr als flächenmäßige Weltmacht agieren, so zeigen sie doch immer noch auf dem Fußballplatz, dass sie ernstzunehmende Gegner sind.

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Portugals bester Mann: Cristiano Ronaldo

[Weiter geht es mit Teil 4 am 1.9.2018]

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